Methodik · Transparenz

Methodik: Woher unsere Zahlen kommen

Der Kern in einem Satz: Wir zeigen ausschließlich Werte, die aus amtlichen oder offiziellen Primärquellen stammen, nennen unter jeder Zahl Quelle, Lizenz und Datenstand — und markieren ehrlich, wenn ein Wert vorläufig, geschätzt oder veraltet ist.

Unsere Quellen

Für die aktuelle Vertikale „Kommunale Steuern & Abgaben“ nutzen wir:

Wir greifen nie fremde kuratierte Datenbanken ab, sondern immer die Primärquelle. Aggregierte oder umgerechnete Werte kennzeichnen wir im Quellen-Hinweis als „aggregiert/bearbeitet“ — das verlangt die Datenlizenz Deutschland 2.0 ausdrücklich.

Wie wir rechnen

  • Durchschnitte: Der angezeigte Schnitt ist der ungewichtete Mittelwert der von uns erfassten kreisfreien Städte — kein Bundesdurchschnitt. Wir schreiben das an jede Stelle, an der der Schnitt auftaucht.
  • Abweichungen: „+26 %“ heißt: 26 % über diesem Städte-Schnitt.
  • Rundung: Im Fließtext runden wir („rund 39 %“), in Tabellen steht der präzise Wert.
  • Fehlende Werte: Meldet eine Stadt keinen Wert, schreiben wir das — wir setzen nie stillschweigend 0 ein.

Wenn wir eine Zahl selbst errechnen

Manche Zahlen auf dieser Seite stehen in keiner amtlichen Veröffentlichung, weil sie eine Rechnung sind und keine Erhebung: was von einer Mindestlohn-Erhöhung nach den Preisen übrig blieb, was ein Erwerbsleben zum Mindestlohn an Rente ergibt, wie viel Miete ein Zahlbetrag trägt. Solche Werte sind heikel, denn sie sehen auch dann richtig aus, wenn sie falsch sind: Ein Tippfehler in einer Tabelle fällt auf, ein Nenner aus dem falschen Jahr nicht. Deshalb gelten für jede errechnete Zahl dieselben Regeln:

  • Gleiches Bezugsjahr. Alle Zutaten einer Rechnung stammen aus demselben Jahr — oder der Unterschied steht sichtbar an der Zahl („Miete 2022, Einkommen 2023“).
  • Gleiche Einheit und gleiche Grundgesamtheit. Haushalt ist nicht Person, brutto ist nicht netto, Monat ist nicht Jahr, und Erwerbstätige sind nicht sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.
  • Der Nenner steht auf der Seite. Jede Quote nennt sichtbar, worauf sie sich bezieht — sonst zeigen zwei Seiten widersprüchliche Werte, beide korrekt, und niemand versteht warum.
  • Keine Scheingenauigkeit. Das Ergebnis wird nicht präziser ausgewiesen als seine schwächste Zutat.
  • Die Formel steht an der Zahl. Jede Ableitung trägt ihren Rechenweg sichtbar auf der Seite, damit sich der erste Widerspruch per Mail beantworten lässt.
  • Fortschreibungen sind markiert. Kein Punkt jenseits des letzten gemessenen Jahres ohne Kennzeichnung. Deshalb endet der reale Mindestlohn beim letzten Jahr mit amtlichem Preisindex, obwohl die künftigen Sätze längst verordnet sind.
  • Die Rechnung steht im Code, nicht im Text. Jede Ableitung ist eine einzige Funktion mit Testfällen, die von Hand nachgerechnet sind. Eine falsche Formel in einem Seitentext ist ein Fehler auf einer Seite — eine falsche Formel in der geteilten Funktion wäre einer auf allen, aber nur sie lässt sich prüfen.

Drei Rechnungen, die überall kursieren — und die wir nicht machen

Es gibt Ableitungen, die so verbreitet sind, dass sie richtig wirken. Sie sind es nicht:

  • Scheidungsrate = Scheidungen ÷ Eheschließungen desselben Jahres. Zähler und Nenner sind verschiedene Jahrgänge. Die Zahl schwankt mit der Heiratsneigung, nicht mit der Scheidungsneigung — bricht die Zahl der Hochzeiten ein, „steigt“ die Scheidungsrate ohne eine einzige zusätzliche Scheidung. Richtig ist die zusammengefasste Scheidungsziffer, die nach Ehedauer rechnet.
  • Miete einer Stadt ÷ Einkommen eines Bundeslandes. Stadtmieten liegen über dem Landesschnitt — Stadteinkommen aber auch. Wer beides mischt, überzeichnet die Belastung systematisch, und keine Plausibilitätsprüfung schlägt an. Beide Größen müssen von derselben Ebene stammen.
  • Sterberaten zwischen Regionen ohne Altersstandardisierung. Eine Region mit vielen alten Menschen hat mehr Sterbefälle je 1.000 Einwohner. Eine ungewichtete Karte misst dann die Altersstruktur und nennt es Gesundheit. Dasselbe gilt für Krankenhausfälle und Pflegequoten.

Welche Erhebung misst was

Die häufigste Rückmeldung zu einer Statistik-Seite lautet: „Bei einer anderen amtlichen Stelle steht eine andere Zahl.“ Meistens stimmt das — und meistens haben beide recht. Die Zahlen stammen dann aus verschiedenen Erhebungen, die verschiedene Dinge zählen. Wer weiß, welche das sind, kann jede unserer Zahlen einordnen, ohne uns glauben zu müssen.

Erhebungen der amtlichen Statistik: Art, Turnus, feinste regionale Ebene und Messgegenstand
ErhebungArtTurnusFeinste EbeneWas sie misst
MikrozensusHaushaltsbefragung mit gesetzlicher Auskunftspflicht, rund 1 % der Bevölkerunglaufend, Ergebnisse jährlichBund, Länder, mit Einschränkungen KreiseErwerbstätigkeit, Haushalte und Lebensformen, Bildungsabschlüsse, Wohnsituation (Zusatzprogramm) und Einkommen — Letzteres als Selbsteinstufung in Einkommensklassen.
EU-SILC („Leben in Europa“)EU-weit harmonisierte Befragung, seit 2020 als Unterstichprobe des MikrozensusjährlichBund, LänderArmutsgefährdungsquote und -schwelle, Einkommensverteilung, materielle und soziale Entbehrung — mit detaillierter Einkommenserhebung.
Volkswirtschaftliche GesamtrechnungenRechenwerk — keine Befragung, sondern Zusammenführung von Steuer-, Sozial- und Unternehmensdatenvierteljährlich und jährlich, mit RevisionenBund, Länder, Kreise (verfügbares Einkommen)Aggregate: Bruttoinlandsprodukt, verfügbares Einkommen der privaten Haushalte, Sparquote — jeweils für den gesamten Sektor, geteilt durch die Einwohnerzahl.
Einkommens- und Verbrauchsstichprobefreiwillige Quotenstichprobe, Haushalte führen ein Haushaltsbuchalle fünf JahreBund, eingeschränkt LänderKonsumausgaben nach Gütergruppen, Ausstattung und Vermögen der Haushalte. Sie ist die Grundlage für die Regelbedarfe des Bürgergelds und für den Wägungsschema des Verbraucherpreisindex.
Zensusregistergestützte Vollerhebung mit Stichprobenanteilalle zehn Jahre (zuletzt 2011 und 2022)bis auf GemeindeebeneEinwohnerzahl, Wohnungsbestand, Haushalts- und Gebäudestruktur — und setzt damit die Basis, auf der alle Jahre danach fortgeschrieben werden.
BevölkerungsfortschreibungRechenwerk: Zensusbasis + Geburten − Sterbefälle + Wanderungssaldojährlich, Stichtag 31.12.bis auf GemeindeebeneEinwohnerzahl am Ort der Hauptwohnung, gegliedert nach Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit.
Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für ArbeitVollerhebung aus dem Verwaltungsverfahren — gezählt wird, wer gemeldet istmonatlichbis auf Gemeindeebeneregistrierte Arbeitslose nach § 16 SGB III und die daraus gebildete Arbeitslosenquote.
Arbeitskräfteerhebung (ILO-Erwerbslosigkeit)Befragung — Teil des Mikrozensus, EU-weit einheitlich definiertlaufend, Ergebnisse monatlich und jährlichBund, LänderErwerbslose nach dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation: ohne Arbeit, kurzfristig verfügbar und aktiv auf Suche — unabhängig davon, ob jemand gemeldet ist.
Verdiensterhebungmonatliche Betriebserhebung mit Auskunftspflichtmonatlich, Jahresergebnisse jährlichBund, Länder, nach Wirtschaftszweig und BerufBruttoverdienste je Stunde und Monat, Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern (Gender Pay Gap, unbereinigt und bereinigt).

Der Fallstrick je Erhebung

Jede dieser Erhebungen hat eine Eigenschaft, an der Vergleiche scheitern. Sie steht hier ausgeschrieben, weil sie in keiner Fußnote auffällt:

  • Mikrozensus: Das Einkommen wird als Klasse abgefragt, nicht auf den Euro. Für Verteilungsaussagen ist der Mikrozensus deshalb gröber als EU-SILC, dafür deutlich größer und regional tiefer. Methodik der Quelle
  • EU-SILC („Leben in Europa“): Der Einkommensbezug ist das VORJAHR, nicht das Erhebungsjahr. Eine Armutsquote „2024“ misst die Einkommen von 2023. Vergleiche mit dem Mikrozensus laufen deshalb regelmäßig ein Jahr auseinander. Methodik der Quelle
  • Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen: Ein VGR-Pro-Kopf-Einkommen ist kein Einkommen, das jemand bekommt: Es enthält unterstellte Größen wie den Mietwert selbstgenutzten Wohneigentums und verteilt alles rechnerisch auf alle Köpfe, Kinder eingeschlossen. Es liegt deshalb systematisch über jedem Befragungswert. Methodik der Quelle
  • Einkommens- und Verbrauchsstichprobe: Freiwillig und quotiert: Haushalte oberhalb einer festgelegten Einkommensgrenze werden nicht erfasst, und wer ein Jahr lang Buch führt, ist nicht der Durchschnitt. Für Spitzeneinkommen und Spitzenvermögen taugt die EVS deshalb nicht. Methodik der Quelle
  • Zensus: Jeder Zensus erzeugt einen Bruch in den Zeitreihen: Die Volkszählung 2022 korrigierte die fortgeschriebene Einwohnerzahl um rund 1,4 Millionen nach unten. Der scheinbare Rückgang 2021 → 2022 ist deshalb ein Basiseffekt und kein Einwohnerverlust. Methodik der Quelle
  • Bevölkerungsfortschreibung: Die Fortschreibung erbt jede Ungenauigkeit der Melderegister und driftet über ein Jahrzehnt merklich ab — bis der nächste Zensus sie zurücksetzt. Der jüngste Jahreswert ist zudem oft eine erste Berechnung und wird später revidiert. Methodik der Quelle
  • Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit: Wer an einer Maßnahme teilnimmt, krank ist oder mindestens 15 Stunden je Woche arbeitet, gilt nicht als arbeitslos — obwohl er Arbeit sucht. Umgekehrt zählt mit, wer gemeldet ist, ohne dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Methodik der Quelle
  • Arbeitskräfteerhebung (ILO-Erwerbslosigkeit): Diese Zahl und die der Bundesagentur messen nicht dasselbe und liegen dauerhaft auseinander. Beide sind amtlich. Wer sie gegeneinander stellt, vergleicht eine Melde-Definition mit einer Verhaltens-Definition. Methodik der Quelle
  • Verdiensterhebung: Sie hat 2022 die vierjährliche Verdienststrukturerhebung und die vierteljährliche Verdiensterhebung abgelöst. Jede Zeitreihe bricht an dieser Stelle — eine durchgezogene Kurve über 2022 hinweg zeigt einen Sprung, den es in der Wirklichkeit nicht gab. Methodik der Quelle

Drei Paare, die sich zu widersprechen scheinen

Wie viele Menschen sind ohne Arbeit?

Arbeitslose (Bundesagentur für Arbeit) gegen Erwerbslose (Arbeitskräfteerhebung, ILO): Die BA zählt, wer gemeldet ist; die ILO-Definition zählt, wer sucht und verfügbar ist. Teilnehmende an Maßnahmen fehlen in der einen Zahl und stehen in der anderen. Beide Zahlen sind richtig, sie beantworten verschiedene Fragen — und je nach Lage ist mal die eine, mal die andere höher.

Wie hoch ist das durchschnittliche Einkommen?

verfügbares Einkommen je Einwohner (VGR) gegen Nettoäquivalenzeinkommen (EU-SILC / Mikrozensus): Die VGR-Zahl ist ein Sektor-Aggregat geteilt durch alle Köpfe und enthält unterstellte Größen wie den Mietwert selbstgenutzten Wohneigentums. Das Äquivalenzeinkommen ist ein Befragungswert je Haushalt, gewichtet nach Haushaltsgröße. Die VGR-Zahl liegt deshalb systematisch höher — ohne dass jemand mehr Geld hätte.

Wie viele Menschen leben in Deutschland?

Bevölkerungsfortschreibung gegen Zensus: Die Fortschreibung rechnet die letzte Zählung mit Geburten, Sterbefällen und Wanderungen fort und erbt dabei die Fehler der Melderegister. Der Zensus zählt neu. 2022 lag die Differenz bei rund 1,4 Millionen Menschen — sichtbar als Bruch in jeder Zeitreihe, die über dieses Jahr läuft.

Woraus wir bewusst nichts übernehmen

Manche Zahlen, die in amtlichen Berichten stehen, wirst du hier vergeblich suchen. Sie stammen aus wissenschaftlichen Erhebungen, deren Nutzung an Datennutzungsverträge gebunden ist statt an eine offene Lizenz — und deren Fallzahlen keinen Bundesland-Schnitt tragen. Wir zitieren sie nicht und rechnen nicht mit ihnen:

  • SOEP (Sozio-oekonomisches Panel)
  • ALLBUS
  • European Social Survey
  • Freiwilligensurvey
  • NEPS, AID:A, DEAS, FReDA und vergleichbare Forschungspanels

Das ist keine Kritik an diesen Erhebungen — sie sind für die Forschung erstklassig. Es ist eine Aussage über uns: Was wir zeigen, muss aus einer offenen Primärquelle stammen, deren Zugangsweg dokumentiert ist, damit die Zahl beim nächsten Turnus wieder hereinkommt.

Datenstand & Frische

Jeder Datensatz trägt ein Kadenz-Metadatum (wie oft die Quelle aktualisiert) und ein Prüfdatum. Läuft das Prüfdatum ab, wechselt das Badge automatisch von grün auf amber („Prüfung fällig“) — wir verstecken Alterung nicht. Den Zustand aller Datenfamilien zeigt jederzeit die Status-Seite.

Aktueller Aufbau-Stand (ehrlich)

Klarbelegt ist im Aufbau. Gewerbesteuer- und Grundsteuer-B-Hebesätze sowie Einwohnerzahlen übernehmen wir automatisiert aus dem amtlichen Realsteuervergleich (jeweils der aktuellste veröffentlichte Jahrgang — er steht an jeder Zahl). Hundesteuer-Sätze haben keine zentrale amtliche Quelle; sie stammen aus den Satzungen der Städte und sind als „vorläufig“markiert, bis jede Angabe gegen die aktuelle Satzung geprüft ist. Findest du eine Abweichung, sag uns Bescheid — Korrekturen dokumentieren wir öffentlich.

Was unsere Zahlen nicht können

  • Sie ersetzen keinen Bescheid und keine Beratung — alle Angaben ohne Gewähr, maßgeblich sind die amtlichen Quellen.
  • Hundesteuer-Sätze sind Regelsätze (erster/zweiter Hund) ohne Ermäßigungen und Listenhund-Zuschläge.
  • Hebesätze sagen nichts über die absolute Steuerlast eines konkreten Grundstücks oder Betriebs — dafür gibt es die Rechner.

Neutralität

Wir sind ein Messgerät, kein Meinungsmedium: keine Wertungs-Farben, keine Adjektive ohne Datenbasis, Superlative nur, wenn die Daten sie tragen. Formulierungen erzeugen wir aus festen, dokumentierten Text-Bausteinen — kein Sprachmodell erfindet oder interpretiert Werte.