Ratgeber · Geld & Vermögen · Kapitel 1
Konten und Depots
Jedes Konto hat genau eine Aufgabe, und die teuersten Fehler entstehen, wenn zwei davon vermischt werden. Das Girokonto zahlt, das Tagesgeldkonto hält den Notgroschen — bis 100.000 € je Bank und Person gesetzlich gesichert —, das Depot legt an. Ein eigenes Depot auf den Namen des Kindes hat den größten steuerlichen Hebel im Privatvermögen: Dort bleiben bis zu 13.384 € Kapitalertrag im Jahr vollständig steuerfrei.
Welches Konto welche Aufgabe hat, was die Einlagensicherung wirklich deckt, wie viel auf das Tagesgeldkonto gehört — und wem das Geld auf einem Gemeinschafts- oder Kinderdepot rechtlich gehört.
Junior-Depot-Rechner →Jedes Konto hat genau eine Aufgabe
Teuer wird es, wenn zwei davon vermischt werden: Wer den Notgroschen im Depot hält, verkauft im schlechtesten Moment; wer das Anlagegeld auf dem Girokonto lässt, verliert es langsam an die Inflation. Die Spalte rechts nennt jeweils das, was in der Praxis übersehen wird.
| Konto | Wofür es da ist | Was es bringt | Was übersehen wird |
|---|---|---|---|
| Girokonto | Zahlungsverkehr — Gehalt herein, Miete hinaus | keine Verzinsung | Alles, was über die laufenden Ausgaben hinaus hier liegt, verliert sicher an Kaufkraft. Der Bequemlichkeitspreis ist real und wird selten gerechnet. |
| Tagesgeldkonto | Notgroschen — jederzeit verfügbar, kein Kursrisiko | variabel, folgt dem Leitzins | Gesetzlich gesichert bis 100.000 € je Person und Institut. Der Zins ist variabel: Was heute gilt, gilt morgen nicht mehr. |
| Festgeldkonto | Geld mit festem Termin — Steuernachzahlung, Autokauf in zwei Jahren | fest für die Laufzeit | Vor Ablauf kommt man in der Regel nicht heran. Der feste Zins ist ein Vorteil bei fallenden und ein Nachteil bei steigenden Marktzinsen. |
| Wertpapierdepot | Anlage in Aktien, ETFs, Anleihen | Kursentwicklung und Ausschüttungen | Wertpapiere sind Sondervermögen: Bei einer Insolvenz der Depotbank gehören sie weiterhin dir. Eine Einlagensicherung brauchen sie deshalb nicht. |
| Verrechnungskonto | Technisches Konto am Depot — Käufe, Dividenden, Steuerabzug | meist keine oder geringe Verzinsung | Muss im Januar gedeckt sein: Dort bucht die Bank die Vorabpauschale ab. Reicht das Guthaben nicht, verkauft sie Anteile — zu einem Zeitpunkt, den sie bestimmt. |
| Gemeinschaftsdepot | Ein Depot auf zwei Namen, beide verfügungsberechtigt | wie Einzeldepot | Für Verheiratete bequem: gemeinsamer Sparer-Pauschbetrag von 2.000 € und ein Verlusttopf. Für unverheiratete Paare heikel — eine einseitige Einzahlung kann als Schenkung gelten. |
| Junior-Depot | Depot auf den Namen des Kindes, von den Eltern verwaltet | wie Einzeldepot | Der größte steuerliche Hebel im Privatvermögen: eigener Grundfreibetrag, eigener Sparer-Pauschbetrag. Das Geld gehört ab der Einzahlung dem Kind — unwiderruflich. |
| Firmendepot | Depot einer Kapitalgesellschaft, getrennt vom Privatvermögen | wie Einzeldepot | Andere Steuerwelt: Körperschaft- und Gewerbesteuer statt Abgeltungsteuer. Lohnt erst bei großem Kapitalstock und nur, wenn das Geld in der Gesellschaft bleibt. |
100.000 € je Person und Bank — nicht je Konto
Die häufigste Fehlvorstellung: Drei Tagesgeldkonten bei derselben Bank sind nicht dreifach gesichert. Gezählt wird je Einleger und je Institut, und dabei kommt es auf die Bank an, nicht auf die Marke — mehrere Angebote derselben Bankengruppe können auf demselben Institut liegen.
| Fall | Gesichert | Grundlage |
|---|---|---|
| Eine Person, ein Institut | 100.000 € | § 8 Abs. 1 EinSiG |
| Gemeinschaftskonto zweier Personen | 200.000 € | anteilige Zurechnung je Inhaber |
| Nach bestimmten Lebensereignissen, sechs Monate | 500.000 € | § 8 Abs. 2 EinSiG |
| Wertpapiere im Depot | unbegrenzt | Sondervermögen — bleiben auch bei Insolvenz der Bank dein Eigentum |
⚠ Die Einlagensicherung schützt Guthaben, keine Kursverluste — und sie greift erst bei einer Insolvenz des Instituts. Freiwillige Sicherungssysteme einzelner Bankengruppen gehen darüber hinaus, sind aber kein Rechtsanspruch und stehen deshalb nicht in dieser Tabelle.
Dasselbe Depot, drei Inhaber — 13.384 € gegen 1.000 €
Der Hebel des Kinderdepots ist kein besonderer Steuersatz, sondern ein Freibetrag, der bei Erwachsenen mit Gehalt längst verbraucht ist: der Grundfreibetrag. Er steht dem Kind zur Verfügung, solange es sonst nichts verdient — ein Ferienjob zehrt an demselben Betrag.
Kurzfassung: Im Depot eines Kindes ohne eigenes Einkommen bleiben 13.384 € Kapitalertrag im Jahr steuerfrei, bei Ledigen mit Gehalt nur 1.000 €.
Grundfreibetrag Sparer-Pauschbetrag Sonderausgaben-Pauschbetrag
| Wem das Depot gehört | Grundfreibetrag | Sparer-Pauschbetrag | Sonderausgaben-Pauschbetrag | Steuerfrei im Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Kind ohne eigenes Einkommen (Junior-Depot mit Freistellungsauftrag und NV-Bescheinigung) | 12.348 € | 1.000 € | 36 € | 13.384 € |
| Ledige mit Erwerbseinkommen (Grundfreibetrag ist bereits durch das Gehalt verbraucht) | 0 € | 1.000 € | 0 € | 1.000 € |
| Ehepaar mit Erwerbseinkommen (Gemeinschaftsdepot, gemeinsamer Sparer-Pauschbetrag) | 0 € | 2.000 € | 0 € | 2.000 € |
⚠ Die Rechnung unterstellt, dass das Kind keine weiteren Einkünfte hat. Ein Ferienjob oder eine Ausbildungsvergütung verbrauchen denselben Grundfreibetrag. Ob die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse bestehen bleibt, hängt an einer eigenen Einkommensgrenze und ist hier nicht abgebildet.
Was im Depot deines Kindes steuerfrei bleibt
Trag die Kapitalerträge des Jahres ein — Zinsen, Dividenden, Vorabpauschalen und realisierte Kursgewinne zusammen. Der Rechner sagt, was steuerfrei bleibt und was dieselbe Summe im Depot der Eltern kosten würde.
Zinsen, Dividenden, Vorabpauschalen und realisierte Kursgewinne zusammen.
Ferienjob, Ausbildungsvergütung — sie zehren zuerst am Grundfreibetrag.
1.200 € Kapitalertrag bleiben im Depot des Kindes vollständig steuerfrei. Im Depot der Eltern wären dafür 317 € Abgeltungsteuer fällig.
| Grundfreibetrag § 32a EStG | 12.348 € |
|---|---|
| Sparer-Pauschbetrag § 20 Abs. 9 EStG | 1.000 € |
| Sonderausgaben-Pauschbetrag § 10c EStG | 36 € |
| Steuerfreier Rahmen | 13.384 € |
| Kapitalertrag im Jahr | 1.200 € |
| Steuerpflichtig davon | 0 € |
| Steuer im Depot des Kindes | 0 € |
| Ersparnis gegenüber dem Elterndepot | 317 € |
Damit die Bank gar nichts einbehält, braucht das Depot beides: einen Freistellungsauftrag über den Sparer-Pauschbetrag und eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt für den Rest. Ohne die NV-Bescheinigung wird die Steuer erst einbehalten und muss über die Steuererklärung zurückgeholt werden.
⚠ Das Depot muss dem Kind wirtschaftlich gehören — das Geld ist geschenkt und steht den Eltern nicht mehr zu. Wer es später für eigene Zwecke zurückholt, riskiert, dass das Finanzamt die Erträge rückwirkend den Eltern zurechnet. Zwei weitere Grenzen hängen an der Höhe der Kapitalerträge und stehen nicht in dieser Rechnung: die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse und, bei volljährigen Kindern in Ausbildung, der Unterhalt. Keine Steuerberatung.
Wem das Geld auf einem gemeinsamen Konto gehört
Die steuerliche Frage ist selten die schwierige. Schwierig wird die zivilrechtliche: Wer hat eingezahlt, und wem steht der Betrag zu?
| Konstellation | Was gilt | Freibetrag in zehn Jahren |
|---|---|---|
| Gemeinschaftsdepot von Ehepaaren | Unproblematisch: Zwischen Ehegatten gilt ein hoher Schenkungsfreibetrag, und der Sparer-Pauschbetrag wird gemeinsam genutzt. | 500.000 € |
| Gemeinschaftsdepot unverheirateter Paare | Zahlt ein Partner deutlich mehr ein, kann das Finanzamt darin eine Schenkung an den anderen sehen — der Freibetrag ist klein. | 20.000 € |
| Junior-Depot | Das Geld gehört ab der Einzahlung dem Kind und steht ihm ab 18 allein zur Verfügung. Wer es später zurückholt, riskiert, dass die Erträge rückwirkend den Eltern zugerechnet werden. | 400.000 € |
⚠ Ob eine Einzahlung als Schenkung gilt, hängt vom Einzelfall ab — insbesondere davon, wer wirtschaftlich über das Guthaben verfügt. Keine Steuer- oder Rechtsberatung; bei größeren Beträgen gehört das vor die Einzahlung geklärt und nicht danach.
Warum die Kontenstruktur vor der Anlage kommt
Welche Kontenarten es gibt, welche Aufgabe jede erfüllt und welche steuerlichen und rechtlichen Folgen an der Wahl hängen — vom Verrechnungskonto bis zum Depot auf den Namen eines Kindes.
Die Struktur ist kein Selbstzweck. Sie entscheidet über drei Dinge: ob du im Ernstfall an Geld kommst, ohne Anteile zu verkaufen; ob Freibeträge tatsächlich genutzt werden oder ungenutzt verfallen; und wem das Vermögen im Zweifel gehört. Der letzte Punkt wird am häufigsten übersehen — bei einem Gemeinschaftsdepot unverheirateter Paare kann eine Einzahlung als Schenkung gelten, und bei einem Junior-Depot gehört das Geld unwiderruflich dem Kind.
Die Einlagensicherung schützt Guthaben, nicht Kursverluste, und sie gilt je Institut — nicht je Konto. Wer bei derselben Bank mehrere Tagesgeldkonten führt, hat trotzdem nur einen Schutzbetrag. Wertpapiere im Depot brauchen diese Sicherung nicht: Sie sind Sondervermögen und gehören auch bei einer Insolvenz der Depotbank weiterhin dir. Was hier steht, ersetzt keine Steuerberatung; gerade bei Schenkungen und bei der Zurechnung eines Kinderdepots kommt es auf den Einzelfall an.
Kurz beantwortet
Wie viel Geld gehört auf das Tagesgeldkonto?
Als Faustregel drei bis sechs Monatsausgaben — nicht Monatsgehälter. Wer sicher angestellt ist, in Miete wohnt und keine Kinder hat, kommt mit drei aus; wer selbstständig ist, ein Haus besitzt oder eine Familie versorgt, plant eher sechs. Alles darüber ist kein Sicherheitspolster mehr, sondern eine Anlageentscheidung: Tagesgeld liegt nach Steuern historisch fast immer unter der Inflationsrate.
Warum muss im Januar Geld auf dem Verrechnungskonto liegen?
Weil die Bank dort die Vorabpauschale abbucht — die Steuer auf einen fiktiven Ertrag thesaurierender Fonds, fällig auch in einem Jahr, in dem du nichts verkauft hast. Ist das Konto nicht gedeckt, verkauft die Bank Anteile, und zwar zu einem Zeitpunkt, den sie bestimmt. Ein Freistellungsauftrag deckt die ersten Euro ab; darüber hinaus gehört der Betrag als eigene Position in die Planung.
Lohnt sich ein Gemeinschaftsdepot?
Für Verheiratete meistens: Der gemeinsame Sparer-Pauschbetrag von 2.000 € wird automatisch über beide Erträge verrechnet, und die Verlustverrechnung läuft über einen Topf. Für unverheiratete Paare ist es heikel — zahlt ein Partner deutlich mehr ein, kann das Finanzamt darin eine Schenkung an den anderen sehen. Der Schenkungsfreibetrag zwischen Nichtverwandten liegt bei 20.000 Euro in zehn Jahren und ist schneller ausgeschöpft, als man denkt.
Was ist der Unterschied zwischen Freistellungsauftrag und NV-Bescheinigung?
Der Freistellungsauftrag geht an die Bank und stellt Kapitalerträge bis zum Sparer-Pauschbetrag frei — 1.000 € für Ledige. Die Nichtveranlagungsbescheinigung kommt vom Finanzamt und sagt: Diese Person zahlt voraussichtlich gar keine Einkommensteuer. Damit behält die Bank auch darüber hinaus nichts ein. Für ein Kinderdepot braucht es beides, sonst bleibt vom steuerfreien Rahmen von 13.384 € in der Praxis nur der Pauschbetrag übrig — der Rest muss über die Steuererklärung zurückgeholt werden.