Ratgeber · Geld & Vermögen

Geld anlegen in Deutschland

Die teuerste Entscheidung beim Geldanlegen ist keine Kursentscheidung, sondern eine Kostenentscheidung. Wer 300 € im Monat über 30 Jahre anlegt, hat bei 1,6 Prozentpunkten Unterschied in der laufenden Kostenquote am Ende 74.573 € weniger — bei exakt derselben Anlage und derselben Rendite. Dieser Ratgeber geht die Entscheidungen in der Reihenfolge durch, in der sie anstehen: erst das Konto, dann die Anlageklasse, dann die Steuer, zuletzt die geförderte Altersvorsorge.

74.573 €
Unterschied nach 30 Jahren allein durch die Kostenquote
Zwei Produkte mit derselben Anlage und derselben Rendite, nur mit unterschiedlicher Kostenquote: Am Ende stehen 290.025 € gegen 215.452 €. Das sind 25,7 % des Vermögens — und es ist die einzige Größe in dieser Rechnung, die du vorher kennst.
300 € im Monat6 % Bruttorendite0,20 % gegen 1,80 % Kosten
Der Ratgeber in vier Kapiteln

Konten, Anlageklassen, Steuern, Altersvorsorge. Jedes Kapitel beantwortet eine Frage und bringt den Rechner mit, der sie mit deinen Zahlen beantwortet.

Mit den Konten anfangen →
Ablauf · sieben Stationen

Die Reihenfolge ist die Entscheidung

Kein Schritt hier ist schwierig. Teuer wird es, wenn man sie vertauscht: Wer bei Schritt fünf anfängt, weil dort die interessanten Produkte stehen, hat die drei Schritte übersprungen, die sicher Geld bringen.

Die Stationen des Vermögensaufbaus in der Reihenfolge, in der sie anstehen
SchrittDie Frage dahinterWarum in dieser ReihenfolgeWeiter
1. Teure Schulden zuerstLäuft daneben ein Konsumkredit oder ein Dispo?Ein abgelöster Kredit zu 8 Prozent ist eine sichere, steuerfreie Rendite von 8 Prozent. Die erreicht keine risikoarme Anlage.Kreditrechner
2. Notgroschen anlegenKommst du an drei bis sechs Monatsausgaben, ohne etwas zu verkaufen?Ohne Puffer entscheidet die Waschmaschine, wann du Anteile verkaufst — und das ist regelmäßig der schlechteste Zeitpunkt.Konten und Depots
3. Konten und Depots ordnenWo liegt welches Geld, und wessen Freibeträge werden genutzt?Freibeträge verfallen jedes Jahr neu. Ein Depot auf den Namen eines Kindes hat den größten steuerlichen Hebel im Privatvermögen.Junior-Depot-Rechner
4. Anlageklasse nach Aufgabe wählenWann brauchst du dieses Geld wieder?Der Anlagehorizont entscheidet, nicht die Renditeerwartung. Geld für die nächsten drei Jahre gehört nicht in Aktien.Anlageklassen im Vergleich
5. Auf die Kostenquote schauenWas kostet das Produkt im Jahr — laufend, nicht einmalig?Die laufenden Kosten sind die einzige Größe, die du im Voraus kennst. Die Rendite ist es nicht.Fondskosten-Rechner
6. Steuer einplanen, nicht optimierenIst der Freistellungsauftrag gesetzt, liegt im Januar Geld auf dem Verrechnungskonto?Die Vorabpauschale wird ohne Rückfrage abgebucht. Wer nicht gedeckt ist, lässt die Bank den Verkaufszeitpunkt wählen.Steuern auf Kapitalerträge
7. Geförderte Vorsorge ausschöpfenNutzt du die staatliche Zulage, die es ab 2027 gibt?Eine Förderquote von 50 Prozent auf den ersten Beitragsteil schlägt jede Marktrendite — und sie gibt es sofort.Altersvorsorge nach dem Riester-Aus
Tabelle · Kostenwirkung

Nach 30 Jahren fehlen 74.573 € — bei identischer Anlage

Derselbe Sparplan von 300 € im Monat, dieselbe Bruttorendite von 6 %, nur zwei verschiedene Kostenquoten: 0,20 % wie bei einem breiten Welt-ETF gegen 1,80 % wie bei einem aktiv gemanagten Aktienfonds. Der Unterschied wächst nicht gleichmäßig, sondern beschleunigt — deshalb ist die Produktwahl am Anfang die folgenreichste Entscheidung des ganzen Ratgebers.

Endkapital eines Sparplans unter zwei Kostenquoten, je Laufzeit
LaufzeitEingezahltEndkapital bei 0,20 %Endkapital bei 1,80 %UnterschiedAnteil am Vermögen
10 Jahre36.000 €48.631 €44.623 €4.008 €8,2 %
20 Jahre72.000 €135.358 €112.426 €22.932 €16,9 %
30 Jahre108.000 €290.025 €215.452 €74.573 €25,7 %
40 Jahre144.000 €565.852 €371.999 €193.854 €34,3 %
Rechner · eigene Zahlen

Mit deiner Sparrate und deinen Produkten

Die Kostenquote steht im Factsheet jedes Fonds als „laufende Kosten“ oder TER. Trag sie hier ein — und daneben die des Produkts, das du sonst noch in Erwägung ziehst.

Die Bruttorendite der Anlage — die Kosten zieht der Rechner selbst ab.

Breite Welt-ETFs liegen zwischen 0,07 und 0,25 Prozent.

Aktiv gemanagte Aktienfonds liegen meist zwischen 1,5 und 2,5 Prozent.

Unterschied am Ende
74.573€ Unterschied

Bei 6,0 % Bruttorendite und 30 Jahren stehen am Ende 290.025 € gegen 215.452 €. Die 1,6 Prozentpunkte Kostenunterschied kosten 74.573 € — 25,7 % des Vermögens.

Aufschlüsselung des Ergebnisses
Eingezahlt insgesamt108.000 €
Endkapital bei 0,20 % Kosten290.025 €
Endkapital bei 1,80 % Kosten215.452 €
Unterschied74.573 €
davon gezahlte Gebühren40.071 €
davon entgangener Zinseszins34.501 €
Anteil am Endkapital des günstigeren Produkts25,7 %

⚠ Die laufende Kostenquote ist nicht alles: Ausgabeaufschläge, Transaktionskosten innerhalb des Fonds und Depotgebühren kommen hinzu und stecken in keiner TER. Eine konstante Rendite über Jahrzehnte ist eine Rechenannahme, keine Prognose. Steuern sind hier nicht abgezogen — dafür ist der Vorabpauschale-Rechner zuständig.

Ratgeber · vier Kapitel

Was in den Kapiteln steht

Jedes beantwortet eine Frage vollständig und verweist für den Rest weiter. Wer schon weiß, wo er steht, springt direkt hinein.

Die Kapitel des Ratgebers Geld anlegen in Deutschland
KapitelDie Frage, die es beantwortetWorum es geht
Konten und DepotsWelches Konto brauchst du wofür — und welches spart Steuern?Giro, Tagesgeld, Depot, Gemeinschafts- und Junior-Depot im Vergleich
Anlageklassen im VergleichWas leistet welche Anlage — und was kostet sie dich im Jahr?Von Tagesgeld über Anleihen und ETFs bis Gold, Immobilien und Krypto
Steuern auf KapitalerträgeWas zieht der Staat vom Ertrag ab — und was kannst du legal drücken?Abgeltungsteuer, Teilfreistellung, Vorabpauschale, Günstigerprüfung und die vermögensverwaltende GmbH
Altersvorsorge nach dem Riester-AusWas ab 2027 gilt — und was mit deinem alten Vertrag passiert?Altersvorsorgedepot, Riester-Bestand, Bausparen und die Fondspolice
Zahlen einordnen

Was dieser Ratgeber leistet — und was nicht

Was die Zahl zeigt

Wie Vermögensaufbau in Deutschland organisiert ist: welche Konten es gibt und wofür sie da sind, welche Anlageklassen welche Aufgabe im Depot erfüllen, was der Staat vom Ertrag nimmt und wie die geförderte Altersvorsorge ab 2027 funktioniert.

Wie du sie liest

Die Reihenfolge ist der eigentliche Inhalt. Fast alle teuren Fehler beim Geldanlegen entstehen nicht bei der Produktwahl, sondern davor: Wer einen Konsumkredit mit acht Prozent laufen lässt und daneben spart, verliert sicher; wer ohne Notgroschen investiert, verkauft im schlechtesten Moment; wer die Kostenquote nicht anschaut, verschenkt über Jahrzehnte mehr als jede Fondsauswahl je einbringt. Jedes Kapitel beantwortet genau eine Frage und verlinkt die Rechner, die sie mit deinen Zahlen beantworten.

Wo die Grenze liegt

Dieser Ratgeber ist keine Anlageberatung und keine Steuerberatung. Er kennt weder deine Einkommenslage noch deinen Anlagehorizont noch deine Risikotragfähigkeit — und genau daran hängen die Antworten, die wirklich individuell sind. Alle Rechnungen sind Modelle mit konstanten Annahmen: Renditen schwanken, Steuersätze und Teilfreistellungen sind politisch gesetzt und können sich ändern. Was hier steht, ist der Rahmen, in dem du selbst entscheiden kannst — nicht die Entscheidung.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Womit fange ich an, wenn ich noch gar nichts habe?

Mit drei Dingen in dieser Reihenfolge, und keines davon ist ein Wertpapier. Erstens: teure Schulden tilgen — ein abgelöster Konsumkredit zu acht Prozent ist eine sichere, steuerfreie Rendite von acht Prozent, die kein risikoarmes Investment erreicht. Zweitens: einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf ein Tagesgeldkonto legen, damit eine kaputte Waschmaschine kein Depot anfassen muss. Erst danach beginnt die Frage nach der Anlage.

Wie viel Geld brauche ich, um überhaupt anzufangen?

Sparpläne auf ETFs laufen bei den meisten Anbietern ab 25 Euro im Monat, bei einigen ab einem Euro. Die Einstiegshürde ist damit keine Geldfrage mehr, sondern eine Zeitfrage: Der Anlagehorizont entscheidet, ob Aktien überhaupt in Frage kommen — unter zehn bis fünfzehn Jahren ist die Wahrscheinlichkeit zu groß, dass man ausgerechnet in einem schlechten Jahr verkaufen muss.

Brauche ich einen Berater?

Für ein breit gestreutes, kostengünstiges Depot nicht — die Bausteine sind öffentlich und die Entscheidungen wenige. Sinnvoll wird Beratung dort, wo es individuell und komplex wird: Ruhestandsplanung mit mehreren Einkunftsarten, Betriebsvermögen, Erbfolge. Wichtig ist dann die Vergütungsform: Wer über Provisionen bezahlt wird, verdient am Produkt; wer über Honorar bezahlt wird, an der Beratung. Das ist kein moralischer, sondern ein struktureller Unterschied.

Was ist der häufigste teure Fehler?

Zwei, und beide kosten mehr als jede Fondsauswahl einbringt. Der erste sind laufende Kosten: Über 30 Jahre frisst ein Prozentpunkt Kostenquote rund ein Sechstel des Endvermögens. Der zweite ist Verkaufen im Abschwung — wer nach einem Rückgang von 30 Prozent aussteigt, macht einen Buchverlust zu einem echten. Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € im Jahr ist dagegen ein Detail, und trotzdem wird über ihn öfter gesprochen.

Das fragen sich viele als Nächstes

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