Ratgeber · Geld & Vermögen · Kapitel 2

Anlageklassen im Vergleich

Keine Anlageklasse ist gut oder schlecht — sie erfüllen verschiedene Aufgaben. Bankeinlagen sichern Liquidität und sind bis 100.000 € je Institut und Person gesetzlich geschützt, verlieren nach Steuern und Inflation aber real fast immer an Wert. Anleihen liefern planbare Zahlungen und dämpfen Schwankungen. Breit gestreute Aktien sind der einzige historisch belegte Weg zu einer nennenswerten Realrendite — um den Preis, dass man zwischenzeitliche Rückgänge von 30 bis 50 Prozent aushalten muss. Diese Seite stellt 14 Anlageklassen mit Aufgabe, Kosten und Steuerbehandlung nebeneinander.

100.000 €
gesetzlich gesichert je Person und Bank
Das ist der Preis und die Grenze der Sicherheit: Bis hierhin ist ein Bankguthaben gesetzlich geschützt — je Institut, nicht je Konto. Gegen den Kaufkraftverlust schützt diese Sicherung nicht, und der ist bei Einlagen die eigentliche Gefahr.
§ 8 EinSiG14 Anlageklassen§§ 20, 21 InvStG
Die Frage vor der Produktwahl

Nicht „was bringt am meisten?“, sondern „wann brauche ich dieses Geld wieder?“. Aus der Antwort folgt die Anlageklasse — alles andere ist Produktauswahl.

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Tabelle · Aufgabe statt Rangfolge

Was welche Anlageklasse leistet — und was sie verlangt

Sortiert von sicher nach schwankend, nicht von schlecht nach gut. Die letzte Spalte ist die wichtigste: Sie nennt das, was man aushalten muss, damit die Anlage ihre Aufgabe überhaupt erfüllen kann. Wer sie überspringt, wählt nach der Renditespalte — und verkauft dann im ersten schlechten Jahr.

Anlageklassen mit Aufgabe, laufenden Kosten, Besteuerung und Risiko
AnlageklasseAufgabe im DepotLaufende KostenBesteuerung im PrivatvermögenWas du aushalten musst
TagesgeldNotgroschen und Geld, das jederzeit da sein musskeineAbgeltungsteuer 26,375 %Realer Kaufkraftverlust: Der Zins liegt nach Steuern historisch fast immer unter der Inflationsrate. Gesichert bis 100.000 € je Institut.
FestgeldGeld mit bekanntem Termin — Steuernachzahlung, AutokaufkeineAbgeltungsteuer 26,375 %Bindung bis zum Laufzeitende. Steigen die Marktzinsen, sitzt man auf dem alten Satz fest; fallen sie, war es die richtige Entscheidung.
Geldmarkt-ETFTagesgeld-Ersatz im Depot, ohne Bank zu wechseln0,05 bis 0,20 % im JahrAbgeltungsteuer 26,375 %, 0 % TeilfreistellungKein Einlagenschutz, sondern Sondervermögen — dafür passt sich die Verzinsung sofort dem Leitzinsniveau an. Bei synthetischer Nachbildung kommt ein Kontrahentenrisiko hinzu.
Staatsanleihen (Euro, hohe Bonität)Schwankungen des Depots dämpfen, planbare Zahlungen0,05 bis 0,20 % im Jahr als ETFAbgeltungsteuer 26,375 %, 0 % TeilfreistellungZinsänderungsrisiko: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bereits ausgegebener Anleihen. Je länger die Restlaufzeit, desto stärker.
UnternehmensanleihenHöhere laufende Erträge als Staatsanleihen0,10 bis 0,30 % im Jahr als ETFAbgeltungsteuer 26,375 %, 0 % TeilfreistellungAusfallrisiko des Emittenten — und der unangenehme Punkt: In Krisen fallen sie oft gleichzeitig mit den Aktien, also genau dann, wenn sie dämpfen sollten.
Aktien-ETF, weltweitLangfristiger Vermögensaufbau, Realrendite0,07 bis 0,25 % im JahrAbgeltungsteuer 26,375 %, 30 % Teilfreistellung — effektiv 18,46 %Zwischenzeitliche Rückgänge von 30 bis 50 Prozent, die Jahre dauern können. Wer sie nicht aussitzen kann, macht aus einem Buchverlust einen echten.
Aktiv gemanagte AktienfondsVersuch, den Vergleichsindex zu schlagen1,5 bis 2,5 % im Jahr, oft plus Ausgabeaufschlagwie Aktien-ETF, 30 % Teilfreistellung ab 51 % AktienquoteDieselben Kursschwankungen wie beim Index — plus die Hürde der eigenen Kosten, die der Fonds erst verdienen muss, bevor er gleichzieht.
EinzelaktienGezielte Beteiligung an einzelnen Unternehmenkeine laufenden Produktkosten, nur OrdergebührenAbgeltungsteuer 26,375 %Totalverlust ist möglich und kommt vor. Verluste aus Aktienverkäufen dürfen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden — ein eigener Verlusttopf.
MischfondsAktien und Anleihen in einem Produkt0,3 bis 2,0 % im JahrAbgeltungsteuer 26,375 %, 15 % Teilfreistellung ab 25 % AktienquoteDie Aufteilung entscheidet ein anderer. Wer sie selbst über zwei ETFs steuert, weiß jederzeit, was er hält — und zahlt meist weniger.
Offene ImmobilienfondsGewerbeimmobilien mit kleinen Beträgen0,5 bis 1,5 % im Jahr, oft plus AusgabeaufschlagAbgeltungsteuer 26,375 %, 60 % bzw. 80 % Teilfreistellung bei überwiegend ausländischen ImmobilienMindesthaltedauer von zwei Jahren und zwölf Monate Kündigungsfrist. Wer verkaufen will, kann es nicht sofort — genau deshalb gibt es diese Fristen.
Immobilien-Aktien und REITsImmobilien, börsentäglich handelbar0,2 bis 0,5 % im Jahr als ETFAbgeltungsteuer 26,375 %; REIT-Ausschüttungen ohne Teilfreistellung, weil die Gesellschaft selbst steuerbefreit istSie schwanken wie Aktien, nicht wie Immobilien — der Diversifikationseffekt gegenüber einem Aktien-ETF ist kleiner, als der Name nahelegt.
DirektimmobilieEigennutzung oder Vermietung, Inflationsschutz, KredithebelInstandhaltung, Verwaltung, Kaufnebenkosten von rund 10 %Mieteinnahmen zum persönlichen Steuersatz; Veräußerungsgewinn nach zehn Jahren steuerfrei (§ 23 EStG)Klumpenrisiko, hoher Kapitalbedarf, Illiquidität und echter Zeitaufwand. Der Kredithebel wirkt in beide Richtungen.
Gold, physischKrisenbaustein und Wertspeicher, kein ErtragsbringerLagerung und Versicherungnach einem Jahr Haltedauer steuerfrei (§ 23 EStG); Anlagegold ist umsatzsteuerfreiKeine Zinsen, keine Dividenden — der gesamte Ertrag muss aus dem Preis kommen. Notiert in US-Dollar, also mit Währungsrisiko.
KryptowährungenSpekulativer BeimischungsbausteinHandels- und Verwahrgebührennach einem Jahr Haltedauer steuerfrei (§ 23 EStG), sonst persönlicher SteuersatzRückgänge von über 70 Prozent hat es mehrfach gegeben. Dazu kommen Risiken, die es sonst nirgends gibt: verlorene Schlüssel, gehackte Handelsplätze, offene Regulierung.

⚠ Die Kostenangaben sind Größenordnungen zur Orientierung, keine Erhebung — maßgeblich ist immer das Factsheet des konkreten Produkts. Die steuerlichen Angaben gelten für Privatvermögen unbeschränkt Steuerpflichtiger und für den Regelfall; bei Betriebsvermögen, ausländischen Depots oder Kirchensteuerpflicht gelten andere Werte. Keine Anlageberatung, keine Empfehlung einer Klasse.

Grafik · Einlagezins gegen Teuerung

In 19 von 26 Jahren lag der Einlagezins unter der Inflationsrate

Der Einlagesatz der Europäischen Zentralbank ist der Zins, an dem sich Tagesgeld orientiert — er wird zum Jahresende genommen, weil er sich unterjährig mehrfach ändert und ein Jahresmittel einen Wert zeigen würde, den es an keinem Tag gab. Darunter die Inflationsrate desselben Jahres. Wo die untere Linie über der oberen liegt, verliert ein Bankguthaben real an Wert — und das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Kurzfassung: In 19 der 26 Jahre seit 2000 lag der Einlagesatz unter der Inflationsrate — ein Guthaben verlor dann auch vor Steuern an Kaufkraft.

20252,0 %Inflationsrate: 2,2 %

Tippen oder Pfeiltasten: jeden einzelnen Wert ablesen.

EZB-Einlagesatz am Jahresende Inflationsrate

Einlagesatz der EZB zum Jahresende und Inflationsrate im VergleichIn 19 der 26 Jahre seit 2000 lag der Einlagesatz unter der Inflationsrate — ein Guthaben verlor dann auch vor Steuern an Kaufkraft.0 %2 %4 %6 %8 %200020052010201520202025Jahr

⚠ Der Einlagesatz der Zentralbank ist nicht der Zins, den eine Bank zahlt — er ist die Orientierungsgröße darüber oder darunter. Die Grafik zeigt vor Steuern; nach Abgeltungsteuer fällt der Abstand zur Teuerung noch größer aus. Vergangene Zinsen und Teuerungsraten sagen nichts über künftige.

Rechner · Kostenquote

Die einzige Größe, die du vorher kennst

Renditen kennt niemand im Voraus, Kosten stehen im Factsheet. Trag die laufenden Kosten zweier Produkte ein, die dieselbe Aufgabe erfüllen — und sieh, was der Unterschied über deine Anlagedauer ausmacht.

Die Bruttorendite der Anlage — die Kosten zieht der Rechner selbst ab.

Breite Welt-ETFs liegen zwischen 0,07 und 0,25 Prozent.

Aktiv gemanagte Aktienfonds liegen meist zwischen 1,5 und 2,5 Prozent.

Unterschied am Ende
74.573€ Unterschied

Bei 6,0 % Bruttorendite und 30 Jahren stehen am Ende 290.025 € gegen 215.452 €. Die 1,6 Prozentpunkte Kostenunterschied kosten 74.573 € — 25,7 % des Vermögens.

Aufschlüsselung des Ergebnisses
Eingezahlt insgesamt108.000 €
Endkapital bei 0,20 % Kosten290.025 €
Endkapital bei 1,80 % Kosten215.452 €
Unterschied74.573 €
davon gezahlte Gebühren40.071 €
davon entgangener Zinseszins34.501 €
Anteil am Endkapital des günstigeren Produkts25,7 %

⚠ Die laufende Kostenquote ist nicht alles: Ausgabeaufschläge, Transaktionskosten innerhalb des Fonds und Depotgebühren kommen hinzu und stecken in keiner TER. Eine konstante Rendite über Jahrzehnte ist eine Rechenannahme, keine Prognose. Steuern sind hier nicht abgezogen — dafür ist der Vorabpauschale-Rechner zuständig.

Zahlen einordnen

Aufgabe vor Rendite

Was die Zahl zeigt

Die gängigen Anlageklassen des deutschen Marktes mit ihrer Funktionsweise, ihrer Aufgabe im Portfolio, den typischen Kosten und der steuerlichen Behandlung — von Tagesgeld über Anleihen und Aktien-ETFs bis zu Immobilien, Gold und Kryptowährungen.

Wie du sie liest

Lies die Tabelle nicht als Rangliste. Die richtige Frage ist nicht „was bringt am meisten?“, sondern „welche Aufgabe soll dieser Teil meines Geldes erfüllen?“. Geld, das in drei Jahren gebraucht wird, gehört nicht in Aktien — unabhängig davon, wie gut deren Aussichten sind. Umgekehrt ist Tagesgeld für einen Anlagehorizont von dreißig Jahren die riskantere Wahl, weil der reale Kaufkraftverlust dort so gut wie sicher ist, während er am Aktienmarkt über solche Zeiträume historisch nie eingetreten ist.

Wo die Grenze liegt

Renditeangaben zu Anlageklassen sind Vergangenheitswerte und keine Zusagen; wir nennen sie deshalb nur als Größenordnung und rechnen keine Prognose damit. Die steuerlichen Angaben gelten für Privatvermögen in Deutschland und für den Regelfall — bei Betriebsvermögen, ausländischen Depots oder Fonds mit ungewöhnlicher Struktur gelten andere Regeln. Kein Eintrag in dieser Tabelle ist eine Empfehlung, und die Reihenfolge ist keine Rangfolge.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Was heißt eigentlich „breit gestreut“?

Dass das Ergebnis nicht mehr von einzelnen Unternehmen, Branchen oder Ländern abhängt. Ein Indexfonds auf einen weltweiten Aktienindex hält Anteile an über tausend Unternehmen in mehr als zwanzig Ländern; geht eines davon insolvent, ist das ein Rundungsfehler. Bei einer Einzelaktie ist es der Totalverlust. Streuung ist die einzige Maßnahme, die Risiko senkt, ohne die erwartete Rendite zu senken — deshalb steht sie am Anfang jeder ernsthaften Anlagestrategie.

Thesaurierend oder ausschüttend — was ist besser?

Steuerlich ist der Unterschied seit 2018 klein: Bei thesaurierenden Fonds greift die Vorabpauschale, bei ausschüttenden wird die Ausschüttung besteuert. Praktisch ist thesaurierend bequemer, weil die Wiederanlage automatisch läuft. Ausschüttend hilft, wenn der Sparer-Pauschbetrag sonst ungenutzt bliebe — dann werden Erträge planbar in Höhe des Freibetrags realisiert. Bei beiden gilt für Aktienfonds die Teilfreistellung von 30 %.

Sind Gold und Kryptowährungen wirklich steuerfrei?

Nach einem Jahr Haltedauer ja — als privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG, und das gilt für physisches Gold ebenso wie für Kryptowährungen. Innerhalb eines Jahres sind Gewinne dagegen mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern, nicht mit der Abgeltungsteuer. Wichtig: Für Gold-ETCs mit Lieferanspruch gilt dieselbe Regel, für viele andere Wertpapiere auf Gold aber nicht — dort greift die Abgeltungsteuer. Der Unterschied steckt in der Konstruktion des Papiers, nicht im Namen.

Warum schlagen so wenige aktive Fonds ihren Index?

Weil sie die Hürde ihrer eigenen Kosten überspringen müssen. Der Markt ist die Summe aller Marktteilnehmer; vor Kosten liegen aktive Manager im Mittel beim Marktergebnis, nach Kosten zwangsläufig darunter. Bei 1,5 bis 2,5 Prozent laufender Kosten gegenüber 0,1 bis 0,2 Prozent für einen Indexfonds ist der Vorsprung, den ein Manager erst erarbeiten muss, größer als die effektive Steuerlast auf den Gewinn (18,46 % bei Aktienfonds). Einzelne schaffen es — nur weiß man vorher nicht, welche.

Das fragen sich viele als Nächstes

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