Wetter & Klima · Sonnenscheindauer · Klimaperioden-Vergleich

Deutschland ist sonniger geworden — und zwar überall

Deutschland ist messbar sonniger geworden: Die Jahressumme der Sonnenscheindauer stieg von 1.568 h in der Klimaperiode 1961–1990 auf 1.688 h in 1995–2024 — +120 h oder 7,7 %. Der Zuwachs ist an allen 61 Vergleichsstädten zu sehen, von +283 h in Aalen bis +34 h in Regensburg. Damit ist er der einheitlichste Befund im gesamten DWD-Bestand — beim Niederschlag geht die Entwicklung je nach Stadt in beide Richtungen.

+120 hSonne im Jahr
gegenüber 1961–1990
Jahressumme der Sonnenscheindauer: 1.568 h im Mittel von 1961–1990, 1.688 h in 1995–2024. Das entspricht rund 15 zusätzlichen Tagen mit acht Sonnenstunden pro Jahr.
61 Städte im Vergleich7,7 % mehrDWD-Stationsmessung
Einstimmig
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So viele Vergleichsstationen messen heute weniger Sonne als in 1961–1990. Kein anderer Klimabefund im Bestand ist so einheitlich — beim Niederschlag geht die Entwicklung je nach Stadt in beide Richtungen.

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Alle 61 Städte als Liste

⚠ Gezeigt wird der Zuwachs, nicht die Sonnenscheindauer selbst — die Stadt mit dem stärksten Zuwachs ist nicht die sonnigste. Ein Teil des Zuwachses kann auf den Wechsel der Messgeräte in den 1990er Jahren zurückgehen.

Grafik · Ländervergleich

Mehr Sonne in jedem Bundesland

Dunkel heißt: dort hat die Sonnenscheindauer am stärksten zugelegt — nicht, dass es dort am sonnigsten ist. München misst heute die höchste Jahressumme im Vergleich, liegt beim Zuwachs aber nicht an der Spitze. Der Stand ist 2024.

  • bis 110 h
  • über 110 bis 113 h
  • über 113 bis 120 h
  • über 120 bis 150 h
  • über 150 h
  • keine Daten

⚠ Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG (2026), dl-de/by-2-0 (VG2500). Ein Landeswert mittelt die erfassten Städte, keine Vollerhebung. Alle 16 Länder sind vertreten.

Alle 61 Städte · größter Zuwachs oben

Von wie viel auf wie viel — Stadt für Stadt

Von +283 h in Aalen bis +34 h in Regensburg. Auch der schwächste Zuwachs ist noch ein Zuwachs — das ist der eigentliche Befund dieser Tabelle, nicht ihre Reihenfolge.

Sonnenscheindauer je Stadt in beiden Klimaperioden, größter Zuwachs zuerst
StadtBundeslandØ 1961–1990Ø 1995–2024Zuwachs
AalenBaden-Württemberg1.476 h1.759 h+283 h
BerlinBerlin1.625 h1.847 h+222 h
ChemnitzSachsen1.533 h1.749 h+216 h
ZwickauSachsen1.533 h1.749 h+216 h
BayreuthBayern1.492 h1.699 h+207 h
MünchenBayern1.680 h1.887 h+207 h
ErlangenBayern1.513 h1.711 h+198 h
WürzburgBayern1.566 h1.761 h+195 h
BraunschweigNiedersachsen1.514 h1.704 h+190 h
SalzgitterNiedersachsen1.514 h1.704 h+190 h
WolfsburgNiedersachsen1.514 h1.704 h+190 h
DarmstadtHessen1.586 h1.749 h+163 h
MainzRheinland-Pfalz1.586 h1.749 h+163 h
Rüsselsheim am MainHessen1.586 h1.749 h+163 h
WiesbadenHessen1.586 h1.749 h+163 h
BremenBremen1.483 h1.643 h+160 h
DelmenhorstNiedersachsen1.483 h1.643 h+160 h
MagdeburgSachsen-Anhalt1.609 h1.758 h+149 h
GöttingenNiedersachsen1.422 h1.568 h+146 h
GießenHessen1.504 h1.648 h+144 h
RostockMecklenburg-Vorpommern1.687 h1.825 h+138 h
PotsdamBrandenburg1.691 h1.822 h+131 h
PirmasensRheinland-Pfalz1.661 h1.780 h+119 h
SaarbrückenSaarland1.661 h1.780 h+119 h
ZweibrückenRheinland-Pfalz1.661 h1.780 h+119 h
GeraThüringen1.602 h1.715 h+113 h
CelleNiedersachsen1.501 h1.610 h+109 h
GarbsenNiedersachsen1.501 h1.610 h+109 h
HannoverNiedersachsen1.501 h1.610 h+109 h
BambergBayern1.563 h1.670 h+107 h
CottbusBrandenburg1.679 h1.772 h+93 h
Bergisch GladbachNordrhein-Westfalen1.504 h1.596 h+92 h
BonnNordrhein-Westfalen1.504 h1.596 h+92 h
Dessau-RoßlauSachsen-Anhalt1.630 h1.722 h+92 h
Frankenthal (Pfalz)Rheinland-Pfalz1.673 h1.765 h+92 h
HeidelbergBaden-Württemberg1.673 h1.765 h+92 h
KölnNordrhein-Westfalen1.504 h1.596 h+92 h
LeverkusenNordrhein-Westfalen1.504 h1.596 h+92 h
Ludwigshafen am RheinRheinland-Pfalz1.673 h1.765 h+92 h
MannheimBaden-Württemberg1.673 h1.765 h+92 h
SpeyerRheinland-Pfalz1.673 h1.765 h+92 h
TroisdorfNordrhein-Westfalen1.504 h1.596 h+92 h
WormsRheinland-Pfalz1.673 h1.765 h+92 h
SiegenNordrhein-Westfalen1.464 h1.546 h+82 h
HofBayern1.542 h1.618 h+76 h
PlauenSachsen1.542 h1.618 h+76 h
BielefeldNordrhein-Westfalen1.443 h1.516 h+73 h
DetmoldNordrhein-Westfalen1.443 h1.516 h+73 h
GüterslohNordrhein-Westfalen1.443 h1.516 h+73 h
HerfordNordrhein-Westfalen1.443 h1.516 h+73 h
PaderbornNordrhein-Westfalen1.443 h1.516 h+73 h
HamburgHamburg1.557 h1.629 h+72 h
NorderstedtSchleswig-Holstein1.557 h1.629 h+72 h
FürthBayern1.698 h1.763 h+65 h
NürnbergBayern1.698 h1.763 h+65 h
SchwabachBayern1.698 h1.763 h+65 h
BremerhavenBremen1.636 h1.698 h+62 h
FlensburgSchleswig-Holstein1.598 h1.653 h+55 h
FuldaHessen1.552 h1.601 h+49 h
Weiden in der OberpfalzBayern1.574 h1.623 h+49 h
RegensburgBayern1.646 h1.680 h+34 h

⚠ Zwei Städte mit derselben zugeordneten Station tragen denselben Wert — die Zuordnung nennt jede Stadtseite offen. Der Wechsel von Campbell-Stokes-Autographen auf elektronische Sensoren in den 1990er Jahren fällt in den Vergleichszeitraum und lässt sich aus Jahressummen nicht herausrechnen.

Gegenprobe · Sonne und Wärme

Mehr Sonne heißt nicht automatisch mehr Erwärmung

Läge es nur an der Sonne, müssten beide Ranglisten dieselbe Reihenfolge haben. Über die 43 Städte mit beiden Reihen beträgt die Rangkorrelation aber nur 0,14 — ein sehr schwacher Zusammenhang. Unten die acht Städte, bei denen die beiden Plätze am weitesten auseinanderliegen.

Städte mit dem größten Unterschied zwischen dem Platz beim Sonnen- und beim Wärmezuwachs
StadtBundeslandZuwachs SonnePlatz SonneErwärmungPlatz Wärme
Weiden in der OberpfalzBayern+49 h42.+1,42 K6.
RegensburgBayern+34 h43.+1,42 K7.
MünchenBayern+207 h5.+1,11 K36.
HofBayern+76 h32.+1,56 K2.
BremenBremen+160 h11.+1,07 K39.
DelmenhorstNiedersachsen+160 h12.+1,07 K40.
GöttingenNiedersachsen+146 h14.+0,88 K42.
BerlinBerlin+222 h2.+1,18 K29.

⚠ Sonnenschein und Temperatur können in derselben Stadt von zwei verschiedenen DWD-Stationen kommen. Die Rangkorrelation beschreibt einen Zusammenhang, keine Ursache — die Erwärmung speist sich vor allem aus wärmeren Luftmassen und milderen Wintern, in denen die Sonnenscheindauer kaum eine Rolle spielt.

Gegenprobe · Niveau statt Veränderung

Wo die Sonne heute am längsten scheint

Am meisten Sonne misst München mit 1.887 h im Mittel von 1995–2024, am wenigsten Bielefeld mit 1.516 h. Die Spanne zwischen beiden Enden ist größer als der Zuwachs der letzten drei Jahrzehnte — der Ort entscheidet über das Niveau, die Zeit über die Richtung.

Die fünf heute sonnigsten und die fünf trübsten Stationen des Vergleichs
StadtBundeslandØ 1995–2024Zuwachs
MünchenBayern1.887 h+207 h
BerlinBerlin1.847 h+222 h
RostockMecklenburg-Vorpommern1.825 h+138 h
PotsdamBrandenburg1.822 h+131 h
PirmasensRheinland-Pfalz1.780 h+119 h
PaderbornNordrhein-Westfalen1.516 h+73 h
HerfordNordrhein-Westfalen1.516 h+73 h
GüterslohNordrhein-Westfalen1.516 h+73 h
DetmoldNordrhein-Westfalen1.516 h+73 h
BielefeldNordrhein-Westfalen1.516 h+73 h

⚠ Die Sonnenscheindauer folgt großräumigen Mustern: Küste und Südosten liegen vorn, die Mittelgebirgsränder mit häufiger Bewölkung hinten. Das ist Geografie, kein Klimasignal.

Zahlen einordnen

Warum Deutschland sonniger geworden ist

Was die Zahl zeigt

Gezählt werden die Stunden eines Jahres, in denen die direkte Sonnenstrahlung an einer DWD-Station eine feste Schwelle überschreitet (120 W/m²). Verglichen werden zwei Klimaperioden von je 30 Jahren an derselben Station: 1961–1990 gegen 1995–2024. Das Ergebnis ist keine Wetterlaune — 30-Jahres-Mittel glätten einzelne trübe und sonnige Jahre heraus.

Wie du sie liest

Der Hauptgrund ist Luftreinhaltung. Seit den 1980er Jahren sind Schwefeldioxid- und Staubemissionen über Europa stark zurückgegangen; weniger Aerosole in der Luft heißt weniger Streuung und Dunst, also mehr direkte Sonne am Boden. In der Klimaforschung heißt dieser Umschwung „global brightening“, nachdem es zwischen den 1950ern und 1980ern umgekehrt dunkler geworden war. Mehr Sonne bedeutet dabei nicht automatisch mehr Erwärmung: Ein Ort mit starkem Sonnenzuwachs liegt bei der Temperatur nicht zwingend vorn — die Rangfolgen beider Größen stimmen nur schwach überein.

Wo die Grenze liegt

Ein Teil des Zuwachses kann auf die Messtechnik gehen. Die Sonnenscheindauer wurde jahrzehntelang mit Campbell-Stokes-Autographen erfasst — einer Glaskugel, die bei ausreichender Strahlung eine Brennspur in Karton zieht — und in den 1990er Jahren auf elektronische Sensoren umgestellt. Beide Verfahren stimmen nicht exakt überein, und die Umstellung fällt mitten in den Vergleichszeitraum. Aus Jahressummen lässt sich der Geräteeffekt nicht herausrechnen. Belastbar ist deshalb die Richtung des Befunds — sie wird von unabhängigen Strahlungsmessungen gestützt —, nicht die letzte Stunde. Wie überall hier gilt außerdem: Das sind Stationswerte in und an Städten, kein Flächenmittel für Deutschland. Alle 16 Länder sind mit mindestens einer Station vertreten.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Scheint die Sonne in Deutschland heute länger als früher?

Ja, und zwar deutlich: 1.568 h im Mittel der Klimaperiode 1961–1990, 1.688 h in 1995–2024 — +120 h oder 7,7 %. Das entspricht rund 15 zusätzlichen Tagen mit acht Sonnenstunden pro Jahr. Keine einzige der 61 Vergleichsstationen liegt heute niedriger als damals.

Woran liegt das?

Vor allem an sauberer Luft. Der Rückgang von Schwefeldioxid und Staub über Europa seit den 1980er Jahren hat die Atmosphäre durchlässiger gemacht — weniger Dunst, mehr direkte Sonnenstrahlung am Boden. Fachleute nennen das „global brightening“. Hinzu kommen veränderte Wetterlagen mit mehr Hochdruckeinfluss im Sommer. Ein Teil des gemessenen Zuwachses kann außerdem auf den Wechsel der Messgeräte in den 1990er Jahren zurückgehen.

Ist es dort am wärmsten geworden, wo die Sonne am meisten zugelegt hat?

Kaum. Über die 43 Städte, für die beide Reihen vorliegen, beträgt die Rangkorrelation zwischen Sonnen- und Wärmezuwachs 0,14 — das ist ein sehr schwacher Zusammenhang. Die Erwärmung kommt eben nicht nur von mehr Sonne, sondern vor allem von wärmeren Luftmassen; und mildere Winter tragen zum Jahresmittel bei, ohne dass dabei mehr Sonne scheint.

Wo scheint die Sonne heute am längsten?

Unter den Vergleichsstationen führt München mit 1.887 h im Mittel von 1995–2024, gefolgt von Berlin (1.847 h). Am wenigsten Sonne bekommt Bielefeld mit 1.516 h. Die Spanne von rund 371 Stunden zwischen beiden Enden ist größer als der Zuwachs der letzten 30 Jahre.

Ist mehr Sonne eine gute Nachricht?

Das ist keine Rangfrage. Mehr Sonnenstunden heißen mehr Ertrag für Photovoltaik und mehr Tage im Freien — und zugleich mehr Verdunstung, mehr Trockenstress für Böden und Pflanzen und eine höhere UV-Belastung. Die Zahl beschreibt eine Veränderung des Klimas, sie bewertet sie nicht.

Das fragen sich viele als Nächstes

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