Wetter & Klima · Trockenheit · Klimaperioden-Vergleich

Trockenheit in Deutschland: fast gleich viel Regen, trotzdem trockener

51 von 52Städten trockener
als 1961–1990
Gemessen am Trockenheitsindex I = Niederschlag ÷ (Temperatur + 10): Er fällt im Mittel von 40,4 auf 37,7. Nur 1 Städte liegen heute feuchter als in 1961–1990.
Index nach de Martonne52 Städte mit beiden MessgrößenDWD-Stationsmessung
Datenstand · Stand 12/2025 · wir prüfen wieder am 01.04.2027Quelle (öffnet in neuem Tab)
Und der Regen?
−4 mm

So wenig hat sich der Jahresniederschlag verändert — von 767 mm auf 763 mm. Es fällt also fast gleich viel Regen. Was sich geändert hat, ist die Wärme, die ihn wegnimmt.

Zu den Niederschlagszahlen →

Die Jahresregenmenge ist an den zugeordneten Stationen fast gleich geblieben: Über die 71 Vergleichsstädte liegt der Jahresniederschlag heute bei 763 mm gegenüber 767 mm in der Klimaperiode 1961–1990 — ein Unterschied von −4 mm. Trockener wird es trotzdem, weil dieselbe Regenmenge auf eine wärmere Luft trifft: Der Trockenheitsindex nach de Martonne fällt von 40,4 auf 37,7, und 51 der 52 Städte liegen heute trockener als damals — nur 1 feuchter.

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Alle 52 Städte als Liste

Ein positiver Wert heißt: Der Index ist gefallen, es ist also trockener geworden. Gezeigt wird die Veränderung, nicht das Niveau — die Stadt mit dem stärksten Rückgang ist nicht die trockenste.

Zahlen · Niederschlag 1961–1990 gegen 1996–2025

Die Jahresregenmenge hat sich kaum verändert

Jahressumme je Bundesland, gemittelt über die Städte mit durchgehender Messreihe, aufsteigend nach Veränderung. Über alle 71 Vergleichsstädte liegt der Unterschied bei −4 mm — 31 Städte bekamen mehr Regen, 39 weniger. Diese Tabelle ist der Grund, warum die Seite danach vom Index handelt und nicht vom Niederschlag.

Jahresniederschlag je Bundesland in beiden Klimaperioden, aus den erfassten Städten
BundeslandØ 1961–1990Ø 1996–2025VeränderungStädte
Hessen687 mm635 mm−52 mm2
Rheinland-Pfalz726 mm694 mm−32 mm2
Berlin584 mm554 mm−30 mm1
Schleswig-Holstein848 mm832 mm−16 mm2
Bayern812 mm797 mm−15 mm11
Hamburg770 mm755 mm−15 mm1
Baden-Württemberg847 mm840 mm−7 mm8
Mecklenburg-Vorpommern620 mm620 mm±0 mm1
Thüringen569 mm570 mm+1 mm4
Brandenburg587 mm589 mm+2 mm3
Nordrhein-Westfalen825 mm828 mm+3 mm26
Sachsen669 mm672 mm+3 mm3
Niedersachsen714 mm718 mm+4 mm6
Sachsen-Anhalt494 mm509 mm+15 mm1
Bremen——— keine Daten—
Saarland——— keine Daten—

Niederschlag ist die kleinräumigste Messgröße: Wenige Kilometer zwischen Station und Stadtteil können spürbare Unterschiede bedeuten. Ein Landeswert mittelt die erfassten Städte, keine Vollerhebung.

Grafik · Ländervergleich

Wo der Trockenheitsindex am stärksten gefallen ist

Dunkel heißt: Der Index ist dort am stärksten gefallen — nicht, dass es dort am trockensten ist. Magdeburg misst mit 25,0 den heute niedrigsten Wert im Vergleich, hat aber einen unterdurchschnittlichen Rückgang hinter sich. Niveau und Veränderung sind auch hier zwei verschiedene Fragen.

  • bis 1,9
  • über 1,9 bis 2,4
  • über 2,4 bis 3,1
  • über 3,1 bis 3,5
  • über 3,5
  • keine Daten

Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG (2026), dl-de/by-2-0 (VG2500). Ein positiver Wert ist ein Rückgang des Index, also mehr Trockenheit. 2 Länder bleiben ohne Füllung, weil dort keine Station beide Klimaperioden in beiden Messgrößen abdeckt.

Alle 52 Städte · stärkster Rückgang oben

Regen, Wärme und Index — Stadt für Stadt

Von 52 Städten mit beiden Messgrößen in beiden Klimaperioden sind 51 trockener, 1 feuchter — gemessen am Index, gerundet auf eine Nachkommastelle. Der Stand ist 2025; die Auswertung nutzt abgeschlossene Jahreswerte bis zu diesem Jahr. Den stärksten Rückgang zeigt Hof mit −6,2 Punkten.

Niederschlag und Trockenheitsindex je Stadt in beiden Klimaperioden, stärkster Rückgang zuerst
StadtRegen früherRegen heuteIndex früherIndex heuteRückgang
Hof742 mm704 mm45,439,2−6,2
Villingen-Schwenningen915 mm883 mm54,848,9−5,9
Memmingen1.017 mm971 mm57,752,2−5,5
Amberg697 mm652 mm39,133,9−5,2
Trier784 mm743 mm41,036,3−4,7
München974 mm943 mm50,946,5−4,4
Esslingen am Neckar719 mm685 mm38,234,0−4,2
Flensburg926 mm909 mm51,447,2−4,2
Bergheim624 mm580 mm31,827,7−4,1
Euskirchen624 mm580 mm31,827,7−4,1
Hürth624 mm580 mm31,827,7−4,1
Kerpen624 mm580 mm31,827,7−4,1
Gera615 mm586 mm34,330,3−4,0
Köln624 mm580 mm31,627,7−3,9
Ingolstadt704 mm695 mm39,535,8−3,7
Hamburg770 mm755 mm41,337,9−3,4
Hanau698 mm678 mm35,532,1−3,4
Norderstedt770 mm755 mm41,337,9−3,4
Aalen836 mm842 mm47,243,9−3,3
Berlin584 mm554 mm30,126,9−3,2
Würzburg602 mm580 mm31,628,4−3,2
Bamberg812 mm807 mm44,041,0−3,0
Heidelberg668 mm645 mm33,030,0−3,0
Ludwigshafen am Rhein668 mm645 mm33,030,0−3,0
Mannheim668 mm645 mm33,030,0−3,0
Potsdam585 mm571 mm31,328,5−2,8
Detmold798 mm797 mm42,139,6−2,5
Braunschweig618 mm614 mm32,830,4−2,4
Salzgitter618 mm614 mm32,830,4−2,4
Schwerin620 mm620 mm33,831,4−2,4
Herford798 mm797 mm41,539,7−1,8
Minden798 mm797 mm41,539,7−1,8
Bayreuth1.099 mm1.142 mm61,659,9−1,7
Bottrop931 mm953 mm47,645,9−1,7
Essen931 mm953 mm47,645,9−1,7
Gelsenkirchen931 mm953 mm47,645,9−1,7
Gladbeck931 mm953 mm47,645,9−1,7
Jena587 mm589 mm30,428,7−1,7
Mülheim an der Ruhr931 mm953 mm47,645,9−1,7
Oberhausen931 mm953 mm47,645,9−1,7
Remscheid931 mm953 mm48,146,4−1,7
Solingen931 mm953 mm48,146,4−1,7
Velbert931 mm953 mm47,645,9−1,7
Wuppertal931 mm953 mm48,146,4−1,7
Weiden in der Oberpfalz685 mm713 mm39,337,7−1,6
Magdeburg494 mm509 mm26,325,0−1,3
Regensburg642 mm668 mm35,434,1−1,3
Cottbus612 mm631 mm32,331,2−1,1
Chemnitz701 mm736 mm39,138,3−0,8
Göttingen663 mm686 mm35,434,9−0,5
Erfurt501 mm533 mm28,027,7−0,3
Baden-Baden1.162 mm1.276 mm59,361,9+2,6

Temperatur und Niederschlag können in derselben Stadt von zwei verschiedenen DWD-Stationen kommen — zugeordnet wird je Messgröße die nächste Station mit belastbarer Reihe. Bei weit auseinanderliegenden Stationen ist der Index entsprechend unschärfer.

Gegenprobe · Niveau statt Veränderung

Die trockensten Orte sind nicht die, wo sich am meisten verändert hat

Heute am trockensten misst Magdeburg mit einem Index von 25,0, am feuchtesten Baden-Baden mit 61,9 — mehr als das Doppelte. Diese Spanne folgt der Geografie: Regenschatten im Lee der Mittelgebirge gegen Stauniederschlag an ihrem Westrand.

Die fünf heute trockensten und die fünf feuchtesten Stationen des Vergleichs
StadtBundeslandRegen 1996–2025Temperatur 1996–2025Index heute
MagdeburgSachsen-Anhalt509 mm10,4 °C25,0
BerlinBerlin554 mm10,6 °C26,9
BergheimNordrhein-Westfalen580 mm10,9 °C27,7
EuskirchenNordrhein-Westfalen580 mm10,9 °C27,7
HürthNordrhein-Westfalen580 mm10,9 °C27,7
FlensburgSchleswig-Holstein909 mm9,3 °C47,2
Villingen-SchwenningenBaden-Württemberg883 mm8,1 °C48,9
MemmingenBayern971 mm8,6 °C52,2
BayreuthBayern1.142 mm9,1 °C59,9
Baden-BadenBaden-Württemberg1.276 mm10,6 °C61,9

Der Index ist eine Verhältniszahl ohne Einheit; er lässt sich zwischen Orten vergleichen, aber nicht als Wassermenge lesen.

Wo die Zahl endet

Eine Zahl gilt so weit, wie ihre Quelle reicht.

Sören Striewski hat diese Zahl eingelesen und gegen die Quelle geprüft.Betreibt Klarbelegt allein · 227 Quellen, jede mit Prüftermin · Wie ich arbeite
Zitieren

Sören Striewski: „Trockenheit in Deutschland: fast gleich viel Regen, trotzdem trockener“. Klarbelegt, Stand 12/2025. https://klarbelegt.de/trockenheit

Der Stand ist der Stand der Daten, nicht der Tag deines Abrufs — deshalb stehen beide da. Wer den Wert selbst übernimmt, zitiert zusätzlich die amtliche Quelle: Sie steht mit Lizenz und Datum unter jeder Tabelle und jeder Grafik dieser Seite.

Zahlen einordnen

Was der Trockenheitsindex zeigt — und was nicht

Was die Zahl zeigt

Der Ariditätsindex nach de Martonne teilt den Jahresniederschlag durch die Jahresmitteltemperatur plus zehn: I = P / (T + 10). Er setzt damit die Wasserzufuhr ins Verhältnis zum Verdunstungsanspruch, den die Temperatur mitbringt. Je kleiner der Wert, desto trockener. Die Messgrößen kommen von den jeweils zugeordneten DWD-Stationen; diese können verschieden sein. Beide Klimaperioden umfassen 30 Jahre — der Index vergleicht also zwei Klimazustände, keine Wetterlagen.

Wie du sie liest

Die entscheidende Zeile steht in der Niederschlagstabelle: Die Regenmenge hat sich kaum bewegt (−4 mm, 31 Städte nasser, 39 trockener). Der Rückgang des Index kommt deshalb fast vollständig aus der Temperatur. Genau das ist die Aussage: Nicht der Regen fehlt, die Wärme nimmt mehr davon weg. Ein Rückgang von −2,7 Punkten klingt klein — gemessen am Ausgangswert sind es 6,7 %.

Wo die Grenze liegt

Ein Jahresindex kann keine Dürre sehen. Dürre ist ein Bodenfeuchte-Ereignis über Wochen bis Monate; dafür bräuchte es Tageswerte, Bodendaten und eine gerechnete Verdunstung — nichts davon steckt hier drin. Vor allem aber mittelt eine Jahressumme die Jahreszeiten weg, und dort liegt der eigentliche Befund der Fachliteratur: feuchtere Winter, trockenere Sommer bei fast gleicher Jahressumme. Diese Verschiebung ist mit Jahreswerten grundsätzlich nicht sichtbar. Der Index ist außerdem eine grobe Faustformel von 1926 und kein Wasserhaushaltsmodell — er ordnet Regionen und Zeiträume ein, er bemisst keine Ernteausfälle. 2 Länder bleiben ohne Wert, weil dort keine zugeordneten Messreihen beide Klimaperioden in beiden Messgrößen abdecken.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Regnet es in Deutschland weniger als früher?

Im Jahresmittel praktisch nicht. Über die 71 Vergleichsstädte fielen in 1961–1990 im Schnitt 767 mm pro Jahr, in 1996–2025 sind es 763 mm — ein Unterschied von −4 mm oder 0,5 %. 31 Städte bekamen mehr Regen, 39 weniger. Die Jahressumme ist also nicht das Problem.

Warum wird es trotzdem trockener?

Weil Wärme Wasser wegnimmt. Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, Böden und Pflanzen verdunsten mehr, und von derselben Regenmenge bleibt weniger übrig. Der Trockenheitsindex bildet genau dieses Verhältnis ab und fällt von 40,4 auf 37,7 — 6,7 % in 34 Jahren, obwohl die Regenmenge fast gleich geblieben ist.

Welche Regionen trifft es am stärksten?

Den stärksten Rückgang zeigt Hof (−6,2 Punkte), und zwar aus beiden Richtungen: dort ist es wärmer geworden UND es fällt weniger Regen. Beim Niveau ist die Reihenfolge eine andere — am trockensten misst heute Magdeburg mit einem Index von 25,0, am feuchtesten Baden-Baden mit 61,9. Ein starker Rückgang und ein trockener Ort sind zwei verschiedene Dinge.

Heißt ein niedriger Index, dass hier bald Wüste ist?

Nein, und diese Größenordnung sollte man nicht durcheinanderbringen. In der Einteilung nach de Martonne gelten Werte unter 20 als halbtrocken und unter 10 als trocken. Die trockenste Station im Vergleich liegt bei 25,0 — deutlich darüber. Der Befund dieser Seite ist die Richtung, nicht das Erreichen einer Schwelle.

Warum steht hier kein Dürre-Index?

Weil wir dafür keine Daten haben, und einen zu bauen, wäre unehrlich. Dürre-Indizes wie der SPEI brauchen Monats- oder Tageswerte und eine gerechnete Verdunstung; im Bestand liegen Jahressummen je Station. Der de-Martonne-Index ist das, was sich daraus seriös rechnen lässt — er zeigt eine Verschiebung des Klimas, kein Dürre-Ereignis.

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