Wetter & Klima · Trockenheit · Klimaperioden-Vergleich

Trockenheit in Deutschland: gleich viel Regen, trotzdem trockener

Es regnet in Deutschland nicht weniger als früher: Über die 71 Vergleichsstädte liegt der Jahresniederschlag heute bei 760 mm gegenüber 762 mm in der Klimaperiode 1961–1990 — ein Unterschied von −2 mm. Trockener wird es trotzdem, weil dieselbe Regenmenge auf eine wärmere Luft trifft: Der Trockenheitsindex nach de Martonne fällt von 40,6 auf 37,9, und 61 der 64 Städte liegen heute trockener als damals — nur 2 feuchter.

61 von 64Städten trockener
als 1961–1990
Gemessen am Trockenheitsindex I = Niederschlag ÷ (Temperatur + 10): Er fällt im Mittel von 40,6 auf 37,9. Nur 2 Städte liegen heute feuchter als in 1961–1990.
Index nach de Martonne64 Städte mit beiden MessgrößenDWD-Stationsmessung
Und der Regen?
−2 mm

So wenig hat sich der Jahresniederschlag verändert — von 762 mm auf 760 mm. Es fällt also fast gleich viel Regen. Was sich geändert hat, ist die Wärme, die ihn wegnimmt.

Zu den Niederschlagszahlen →
Direktsuche · 64 Städte

Wo steht deine Stadt?

Name eintippen — du bekommst den Wert, den Rang und den Abstand zu Höchst-, Tiefst- und Durchschnittswert. Das Ergebnis lässt sich mit einem Klick teilen.

Alle 64 Städte als Liste

⚠ Ein positiver Wert heißt: Der Index ist gefallen, es ist also trockener geworden. Gezeigt wird die Veränderung, nicht das Niveau — die Stadt mit dem stärksten Rückgang ist nicht die trockenste.

Zahlen · Niederschlag 1961–1990 gegen 1995–2024

Der Regen ist nicht weniger geworden

Jahressumme je Bundesland, gemittelt über die Städte mit durchgehender Messreihe, aufsteigend nach Veränderung. Über alle 71 Vergleichsstädte liegt der Unterschied bei −2 mm — 34 Städte bekamen mehr Regen, 36 weniger. Diese Tabelle ist der Grund, warum die Seite danach vom Index handelt und nicht vom Niederschlag.

Jahresniederschlag je Bundesland in beiden Klimaperioden, aus den erfassten Städten
BundeslandØ 1961–1990Ø 1995–2024VeränderungStädte
Bremen694 mm666 mm−28 mm1
Rheinland-Pfalz726 mm701 mm−25 mm2
Berlin584 mm561 mm−23 mm1
Schleswig-Holstein848 mm832 mm−16 mm2
Hamburg770 mm760 mm−10 mm1
Bayern723 mm716 mm−7 mm13
Hessen813 mm807 mm−6 mm3
Nordrhein-Westfalen874 mm871 mm−3 mm24
Brandenburg570 mm568 mm−2 mm3
Niedersachsen648 mm648 mm±0 mm4
Baden-Württemberg831 mm840 mm+9 mm7
Thüringen569 mm580 mm+11 mm4
Mecklenburg-Vorpommern605 mm620 mm+15 mm2
Sachsen669 mm685 mm+16 mm3
Sachsen-Anhalt494 mm515 mm+21 mm1
Saarland— keine Daten

⚠ Niederschlag ist die kleinräumigste Messgröße: Wenige Kilometer zwischen Station und Stadtteil können spürbare Unterschiede bedeuten. Ein Landeswert mittelt die erfassten Städte, keine Vollerhebung.

Grafik · Ländervergleich

Wo der Trockenheitsindex am stärksten gefallen ist

Dunkel heißt: Der Index ist dort am stärksten gefallen — nicht, dass es dort am trockensten ist. Magdeburg misst mit 25,4 den heute niedrigsten Wert im Vergleich, hat aber einen unterdurchschnittlichen Rückgang hinter sich. Niveau und Veränderung sind auch hier zwei verschiedene Fragen.

  • bis 1,6
  • über 1,6 bis 2,4
  • über 2,4 bis 2,9
  • über 2,9 bis 3,4
  • über 3,4
  • keine Daten

⚠ Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG (2026), dl-de/by-2-0 (VG2500). Ein positiver Wert ist ein Rückgang des Index, also mehr Trockenheit. Saarland bleibt ohne Füllung, weil dort keine Station beide Klimaperioden in beiden Messgrößen abdeckt.

Alle 64 Städte · stärkster Rückgang oben

Regen, Wärme und Index — Stadt für Stadt

Von 64 Städten mit beiden Messgrößen in beiden Klimaperioden sind 61 trockener, 2 feuchter, 1 unverändert — gemessen am Index, gerundet auf eine Nachkommastelle. Der Stand ist 2024; jüngere Jahreswerte hat der DWD noch nicht geprüft veröffentlicht. Den stärksten Rückgang zeigt Siegen mit −10,6 Punkten.

Niederschlag und Trockenheitsindex je Stadt in beiden Klimaperioden, stärkster Rückgang zuerst
StadtRegen früherRegen heuteIndex früherIndex heuteRückgang
Siegen1.169 mm1.065 mm69,558,9−10,6
Hof742 mm717 mm45,440,0−5,4
Villingen-Schwenningen915 mm893 mm54,849,6−5,2
Memmingen1.017 mm979 mm57,752,7−5,0
Rüsselsheim am Main658 mm610 mm33,528,7−4,8
Trier784 mm746 mm41,036,5−4,5
Flensburg926 mm903 mm51,447,0−4,4
Bergheim624 mm579 mm31,827,7−4,1
Euskirchen624 mm579 mm31,827,7−4,1
Hürth624 mm579 mm31,827,7−4,1
Kerpen624 mm579 mm31,827,7−4,1
Erlangen701 mm677 mm37,733,8−3,9
Esslingen am Neckar719 mm689 mm38,234,3−3,9
München974 mm953 mm50,947,1−3,8
Bremen694 mm666 mm36,633,2−3,4
Delmenhorst694 mm666 mm36,633,2−3,4
Detmold918 mm908 mm48,545,2−3,3
Fürth644 mm615 mm34,331,0−3,3
Gera615 mm599 mm34,331,0−3,3
Nürnberg644 mm615 mm34,331,0−3,3
Paderborn918 mm908 mm48,545,2−3,3
Ingolstadt704 mm702 mm39,536,3−3,2
Hamburg770 mm760 mm41,338,2−3,1
Hanau698 mm685 mm35,532,4−3,1
Norderstedt770 mm760 mm41,338,2−3,1
Amberg701 mm701 mm39,436,5−2,9
Remscheid1.117 mm1.125 mm57,754,8−2,9
Solingen1.117 mm1.125 mm57,754,8−2,9
Wuppertal1.117 mm1.125 mm57,754,8−2,9
Würzburg602 mm585 mm31,628,7−2,9
Berlin584 mm561 mm30,127,3−2,8
Aalen836 mm851 mm47,244,5−2,7
Potsdam585 mm575 mm31,328,7−2,6
Heidelberg668 mm656 mm33,030,6−2,4
Ludwigshafen am Rhein668 mm656 mm33,030,6−2,4
Mannheim668 mm656 mm33,030,6−2,4
Bayreuth710 mm714 mm39,837,5−2,3
Braunschweig618 mm617 mm32,830,6−2,2
Salzgitter618 mm617 mm32,830,6−2,2
Cottbus563 mm560 mm29,827,7−2,1
Bergisch Gladbach804 mm809 mm40,738,7−2,0
Köln804 mm809 mm40,738,7−2,0
Leverkusen804 mm809 mm40,738,7−2,0
Schwerin620 mm626 mm33,831,8−2,0
Troisdorf804 mm809 mm40,738,7−2,0
Herford798 mm799 mm41,539,9−1,6
Minden798 mm799 mm41,539,9−1,6
Bamberg634 mm645 mm34,332,8−1,5
Bottrop931 mm954 mm47,646,1−1,5
Essen931 mm954 mm47,646,1−1,5
Gelsenkirchen931 mm954 mm47,646,1−1,5
Gladbeck931 mm954 mm47,646,1−1,5
Mülheim an der Ruhr931 mm954 mm47,646,1−1,5
Oberhausen931 mm954 mm47,646,1−1,5
Velbert931 mm954 mm47,646,1−1,5
Jena587 mm598 mm30,429,2−1,2
Rostock589 mm614 mm32,030,8−1,2
Weiden in der Oberpfalz685 mm722 mm39,338,3−1,0
Magdeburg494 mm515 mm26,325,4−0,9
Regensburg642 mm677 mm35,434,6−0,8
Göttingen663 mm692 mm35,435,3−0,1
Chemnitz701 mm749 mm39,139,1±0,0
Erfurt501 mm541 mm28,028,2+0,2
Baden-Baden1.162 mm1.287 mm59,362,6+3,3

⚠ Temperatur und Niederschlag können in derselben Stadt von zwei verschiedenen DWD-Stationen kommen — zugeordnet wird je Messgröße die nächste Station mit belastbarer Reihe. Bei weit auseinanderliegenden Stationen ist der Index entsprechend unschärfer.

Gegenprobe · Niveau statt Veränderung

Die trockensten Orte sind nicht die, wo sich am meisten verändert hat

Heute am trockensten misst Magdeburg mit einem Index von 25,4, am feuchtesten Baden-Baden mit 62,6 — mehr als das Doppelte. Diese Spanne folgt der Geografie: Regenschatten im Lee der Mittelgebirge gegen Stauniederschlag an ihrem Westrand.

Die fünf heute trockensten und die fünf feuchtesten Stationen des Vergleichs
StadtBundeslandRegen 1995–2024Temperatur 1995–2024Index heute
MagdeburgSachsen-Anhalt515 mm10,3 °C25,4
BerlinBerlin561 mm10,6 °C27,3
BergheimNordrhein-Westfalen579 mm10,9 °C27,7
EuskirchenNordrhein-Westfalen579 mm10,9 °C27,7
HürthNordrhein-Westfalen579 mm10,9 °C27,7
WuppertalNordrhein-Westfalen1.125 mm10,5 °C54,8
SolingenNordrhein-Westfalen1.125 mm10,5 °C54,8
RemscheidNordrhein-Westfalen1.125 mm10,5 °C54,8
SiegenNordrhein-Westfalen1.065 mm8,1 °C58,9
Baden-BadenBaden-Württemberg1.287 mm10,6 °C62,6

⚠ Der Index ist eine Verhältniszahl ohne Einheit; er lässt sich zwischen Orten vergleichen, aber nicht als Wassermenge lesen.

Zahlen einordnen

Was der Trockenheitsindex zeigt — und was nicht

Was die Zahl zeigt

Der Ariditätsindex nach de Martonne teilt den Jahresniederschlag durch die Jahresmitteltemperatur plus zehn: I = P / (T + 10). Er setzt damit die Wasserzufuhr ins Verhältnis zum Verdunstungsanspruch, den die Temperatur mitbringt. Je kleiner der Wert, desto trockener. Beide Größen stammen aus derselben DWD-Station, und beide Klimaperioden umfassen 30 Jahre — der Index vergleicht also zwei Klimazustände, keine Wetterlagen.

Wie du sie liest

Die entscheidende Zeile steht in der Niederschlagstabelle: Die Regenmenge hat sich kaum bewegt (−2 mm, 34 Städte nasser, 36 trockener). Der Rückgang des Index kommt deshalb fast vollständig aus der Temperatur. Genau das ist die Aussage: Nicht der Regen fehlt, die Wärme nimmt mehr davon weg. Ein Rückgang von −2,7 Punkten klingt klein — gemessen am Ausgangswert sind es 6,7 %.

Wo die Grenze liegt

Ein Jahresindex kann keine Dürre sehen. Dürre ist ein Bodenfeuchte-Ereignis über Wochen bis Monate; dafür bräuchte es Tageswerte, Bodendaten und eine gerechnete Verdunstung — nichts davon steckt hier drin. Vor allem aber mittelt eine Jahressumme die Jahreszeiten weg, und dort liegt der eigentliche Befund der Fachliteratur: feuchtere Winter, trockenere Sommer bei fast gleicher Jahressumme. Diese Verschiebung ist mit Jahreswerten grundsätzlich nicht sichtbar. Der Index ist außerdem eine grobe Faustformel von 1926 und kein Wasserhaushaltsmodell — er ordnet Regionen und Zeiträume ein, er bemisst keine Ernteausfälle. Saarland bleibt ohne Wert, weil dort keine Station beide Klimaperioden in beiden Messgrößen abdeckt.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Regnet es in Deutschland weniger als früher?

Im Jahresmittel praktisch nicht. Über die 71 Vergleichsstädte fielen in 1961–1990 im Schnitt 762 mm pro Jahr, in 1995–2024 sind es 760 mm — ein Unterschied von −2 mm oder 0,3 %. 34 Städte bekamen mehr Regen, 36 weniger. Die Jahressumme ist also nicht das Problem.

Warum wird es trotzdem trockener?

Weil Wärme Wasser wegnimmt. Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, Böden und Pflanzen verdunsten mehr, und von derselben Regenmenge bleibt weniger übrig. Der Trockenheitsindex bildet genau dieses Verhältnis ab und fällt von 40,6 auf 37,9 — 6,7 % in 34 Jahren, obwohl der Regen gleich geblieben ist.

Welche Regionen trifft es am stärksten?

Den stärksten Rückgang zeigt Siegen (−10,6 Punkte), und zwar aus beiden Richtungen: dort ist es wärmer geworden UND es fällt weniger Regen. Beim Niveau ist die Reihenfolge eine andere — am trockensten misst heute Magdeburg mit einem Index von 25,4, am feuchtesten Baden-Baden mit 62,6. Ein starker Rückgang und ein trockener Ort sind zwei verschiedene Dinge.

Heißt ein niedriger Index, dass hier bald Wüste ist?

Nein, und diese Größenordnung sollte man nicht durcheinanderbringen. In der Einteilung nach de Martonne gelten Werte unter 20 als halbtrocken und unter 10 als trocken. Die trockenste Station im Vergleich liegt bei 25,4 — deutlich darüber. Der Befund dieser Seite ist die Richtung, nicht das Erreichen einer Schwelle.

Warum steht hier kein Dürre-Index?

Weil wir dafür keine Daten haben, und einen zu bauen, wäre unehrlich. Dürre-Indizes wie der SPEI brauchen Monats- oder Tageswerte und eine gerechnete Verdunstung; im Bestand liegen Jahressummen je Station. Der de-Martonne-Index ist das, was sich daraus seriös rechnen lässt — er zeigt eine Verschiebung des Klimas, kein Dürre-Ereignis.

Das fragen sich viele als Nächstes

Datenpflege

Wie aktuell ist diese Seite?

Der Daten-Status zeigt Quelle, Stand und nächsten Prüftermin. Neue Veröffentlichungen erscheinen zusätzlich im RSS-Feed. Quelle und Prüftermin ansehen · RSS-Feed