Arbeit & Lohn · Urlaubsanspruch · § 3 BUrlG
Urlaubsanspruch: 20 Tage gesetzlicher Mindesturlaub
Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Werktage im Jahr (§ 3 BUrlG). Weil das Gesetz mit einer Sechs-Tage-Woche rechnet, sind das bei der üblichen Fünf-Tage-Woche 20 Urlaubstage — bei vier Arbeitstagen pro Woche 16, bei dreien 12. Mehr ist erlaubt, weniger nicht.
Entscheidend sind deine Arbeitstage pro Woche, nicht deine Stunden. Wer 30 Stunden auf fünf Tage verteilt, hat den vollen Anspruch.
Teilzeit umrechnen ↓Weniger Arbeitstage, weniger Urlaubstage — gleich viele freie Wochen
Die Formel steht nicht im Gesetz, sondern folgt daraus: 24 Werktage mal Arbeitstage pro Woche geteilt durch 6. Wer an drei Tagen arbeitet, hat 12 Urlaubstage — und damit genauso vier Wochen frei wie eine Vollzeitkraft mit 20.
Kurzfassung: Der gesetzliche Mindesturlaub reicht von 4 Tagen bei einem Arbeitstag pro Woche bis 24 Tagen bei sechs Arbeitstagen; bei der üblichen Fünf-Tage-Woche sind es 20 Tage.
| Arbeitszeitmodell | Urlaubstage im Jahr |
|---|---|
| 1-Tage-Woche | 4 Tage |
| 2-Tage-Woche | 8 Tage |
| 3-Tage-Woche | 12 Tage |
| 4-Tage-Woche | 16 Tage |
| 5-Tage-Woche | 20 Tage |
| 6-Tage-Woche | 24 Tage |
⚠ Gesetzlicher Mindestanspruch. Arbeits- und Tarifverträge sehen häufig mehr vor; für den übergesetzlichen Teil dürfen abweichende Regeln gelten.
Mindesturlaub, Zusatzurlaub und die Rechnung dahinter
Die letzte Spalte zeigt, wie sich der Anspruch ergibt. Schwerbehinderte Menschen bekommen 5 Arbeitstage zusätzlich (§ 208 SGB IX), bei abweichender Verteilung anteilig.
| Arbeitszeitmodell | Mindesturlaub in Tagen | mit Schwerbehinderung | Rechnung |
|---|---|---|---|
| 1 Arbeitstag pro Woche | 4 | 5 | 24 × 1 ÷ 6 |
| 2 Arbeitstage pro Woche | 8 | 10 | 24 × 2 ÷ 6 |
| 3 Arbeitstage pro Woche | 12 | 15 | 24 × 3 ÷ 6 |
| 4 Arbeitstage pro Woche | 16 | 20 | 24 × 4 ÷ 6 |
| 5 Arbeitstage pro Woche | 20 | 25 | 24 × 5 ÷ 6 |
| 6 Arbeitstage pro Woche | 24 | 30 | 24 × 6 ÷ 6 |
⚠ Bruchteile ab einem halben Tag werden aufgerundet (§ 5 Abs. 2 BUrlG). Der Zusatzurlaub setzt einen Grad der Behinderung von mindestens 50 voraus; Gleichgestellte erhalten ihn nicht.
Vor Ablauf der Wartezeit: ein Zwölftel je vollem Monat
Den vollen Anspruch gibt es erst nach 6 Monaten (§ 4 BUrlG). Davor — und beim Ausscheiden in der ersten Jahreshälfte — entsteht Teilurlaub. Die Tabelle zeigt ihn für die drei häufigsten Modelle.
| Beschäftigt seit | 5-Tage-Woche | 4-Tage-Woche | 3-Tage-Woche |
|---|---|---|---|
| 1 voller Monat | 2 | 1 | 1 |
| 2 volle Monate | 3 | 3 | 2 |
| 3 volle Monate | 5 | 4 | 3 |
| 4 volle Monate | 7 | 5 | 4 |
| 5 volle Monate | 8 | 7 | 5 |
| 6 volle Monate | 10 | 8 | 6 |
⚠ Wer nach der Wartezeit im zweiten Halbjahr ausscheidet, behält den vollen Jahresanspruch — die Zwölftelung gilt dafür nicht.
Unter 18 gibt es mehr
Maßgeblich ist das Alter zu Beginn des Kalenderjahres, nicht am Tag des Urlaubs. Volljährige Auszubildende haben denselben Anspruch wie alle anderen.
| Alter am 1. Januar | laut Gesetz | bei 5-Tage-Woche | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|
| unter 16 Jahren | 30 Werktage | 25 Tage | § 19 JArbSchG |
| unter 17 Jahren | 27 Werktage | 23 Tage | § 19 JArbSchG |
| unter 18 Jahren | 25 Werktage | 21 Tage | § 19 JArbSchG |
⚠ Das Jugendarbeitsschutzgesetz gilt für Personen unter 18 Jahren. Für Auszubildende über 18 gilt der allgemeine Mindesturlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz.
Warum Urlaub oft doch nicht am 31. Dezember verfällt
Der gesetzliche Grundsatz ist klar: Urlaub ist im laufenden Kalenderjahr zu nehmen. Eine Übertragung ins Folgejahr setzt dringende betriebliche oder in deiner Person liegende Gründe voraus und endet dann am 31. März (§ 7 Abs. 3 BUrlG).
Entscheidend ist aber eine Regel, die in keinem Gesetzestext steht: Nach der Rechtsprechung von Europäischem Gerichtshof und Bundesarbeitsgericht verfällt Urlaub nur dann, wenn der Arbeitgeber vorher konkret aufgefordert hat, ihn zu nehmen, und auf den drohenden Verfall hingewiesen hat. Unterbleibt dieser Hinweis, bleibt der Anspruch bestehen — auch über Jahre. Auszahlen lassen kann man ihn trotzdem nicht: Das geht nur, wenn das Arbeitsverhältnis endet (§ 7 Abs. 4 BUrlG).
Den Urlaubsanspruch einordnen
Die Tabelle zeigt den gesetzlichen Mindesturlaub für unterschiedliche Arbeitszeitmodelle. Im Gesetz steht nur eine Zahl: 24 Werktage. Werktage sind alle Tage außer Sonn- und Feiertagen, das Gesetz rechnet also mit sechs Arbeitstagen pro Woche. Alle anderen Werte auf dieser Seite sind daraus umgerechnet — 24 Werktage mal Arbeitstage pro Woche geteilt durch sechs. Diese Umrechnung entspricht der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts.
Zähle deine Arbeitstage pro Woche, nicht deine Stunden. Wer 30 Stunden auf fünf Tage verteilt, hat denselben Urlaubsanspruch in Tagen wie eine Vollzeitkraft — nur ist ein Urlaubstag eben kürzer. Wer dieselben 30 Stunden auf vier Tage legt, hat entsprechend weniger Urlaubstage, aber gleich viele freie Wochen. Genau daran scheitert die häufigste Fehlrechnung bei Teilzeit: Der Urlaub wird nach Stunden gekürzt, obwohl sich nur die Verteilung geändert hat.
Das ist der Mindestanspruch, nicht der übliche. Viele Arbeits- und Tarifverträge sehen 28 oder 30 Tage vor; für diesen übergesetzlichen Teil dürfen abweichende Verfall- und Übertragungsregeln gelten. Nicht abgebildet sind Sonderfälle wie Urlaub im Krankheitsfall, Elternzeit oder ein Arbeitgeberwechsel mitten im Jahr. Und eine Regel steht in keinem Gesetzestext, ist aber entscheidend: Nach der Rechtsprechung von EuGH und Bundesarbeitsgericht verfällt Urlaub am Jahresende nur, wenn der Arbeitgeber vorher konkret auf Umfang und drohenden Verfall hingewiesen hat. Keine Rechtsberatung.
Kurz beantwortet
Wie viele Urlaubstage stehen mir gesetzlich zu?
Bei einer Fünf-Tage-Woche 20 Tage. Das Gesetz nennt 24 Werktage (§ 3 BUrlG) und rechnet dabei mit einer Sechs-Tage-Woche; umgerechnet auf fünf Arbeitstage sind das 20. Wer an sechs Tagen arbeitet, hat 24 Tage.
Wie viel Urlaub habe ich in Teilzeit?
Das hängt allein davon ab, an wie vielen Tagen pro Woche du arbeitest — nicht an den Stunden. Vier Arbeitstage ergeben 16 Tage, drei 12 Tage, zwei 8 Tage. Wer seine Stunden auf fünf Tage verteilt, behält den vollen Anspruch von 20 Tage. Bruchteile ab einem halben Tag werden aufgerundet (§ 5 Abs. 2 BUrlG).
Wann habe ich den vollen Urlaubsanspruch?
Nach 6 Monaten Beschäftigung (§ 4 BUrlG). Davor entsteht Teilurlaub: ein Zwölftel des Jahresanspruchs je vollem Beschäftigungsmonat. Wer im Juli anfängt, hat im ersten Jahr also 10 Tage bei einer Fünf-Tage-Woche. Dasselbe gilt beim Ausscheiden in der ersten Jahreshälfte.
Verfällt mein Urlaub am 31. Dezember?
Im Grundsatz ja: Urlaub ist im laufenden Kalenderjahr zu nehmen; eine Übertragung ins Folgejahr setzt dringende betriebliche oder persönliche Gründe voraus und endet dann am 31. März (§ 7 Abs. 3 BUrlG). Nach der Rechtsprechung von EuGH und Bundesarbeitsgericht verfällt der gesetzliche Urlaub aber nur, wenn der Arbeitgeber vorher konkret aufgefordert hat, ihn zu nehmen, und auf den Verfall hingewiesen hat. Ohne diesen Hinweis bleibt der Anspruch bestehen.
Wie viel Zusatzurlaub gibt es bei Schwerbehinderung?
5 Tage bei einer Fünf-Tage-Woche (§ 208 SGB IX), also insgesamt 25 Tage gesetzlicher Mindesturlaub. Bei anderer Verteilung wird anteilig gerechnet: bei vier Arbeitstagen sind es 4 Tage zusätzlich. Der Anspruch setzt einen Grad der Behinderung von mindestens 50 voraus; Gleichgestellte erhalten ihn nicht.
Wie viel Urlaub steht Auszubildenden zu?
Volljährige Auszubildende haben denselben gesetzlichen Mindestanspruch wie alle anderen. Für Jugendliche gilt § 19 JArbSchG, gestaffelt nach dem Alter zu Beginn des Kalenderjahres: 30 Werktage unter 16 Jahren, 27 Werktage unter 17 Jahren, 25 Werktage unter 18 Jahren. Maßgeblich ist das Alter am 1. Januar, nicht am Tag des Urlaubs.
Kann ich mir Urlaub auszahlen lassen?
Nur wenn das Arbeitsverhältnis endet (§ 7 Abs. 4 BUrlG). Während eines laufenden Arbeitsverhältnisses ist eine Abgeltung des gesetzlichen Mindesturlaubs ausgeschlossen — der Urlaub soll der Erholung dienen, nicht dem Konto. Für vertraglich zugesagten Urlaub über den gesetzlichen Anspruch hinaus können abweichende Vereinbarungen gelten.