Geld & Finanzen · Entnahme aus dem Kapital
Finanzielle Unabhängigkeit: was das Depot in Deutschland tragen muss
Die Zielsumme ist der Jahresbedarf geteilt durch die Entnahmerate — bei 3,5 % also das 28,6-Fache. Für 2.500 € im Monat sind das rund 952.515 €. Der Haken steckt im Jahresbedarf: Der Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung muss aus derselben Entnahme kommen und schlägt rund 11 % obendrauf — er fehlt in der amerikanischen 4-Prozent-Regel. Die Steuer dagegen fällt kleiner aus als gedacht: Ohne Erwerbseinkommen ist der Grundfreibetrag frei, und die Günstigerprüfung macht daraus in vielen Fällen null.
Der Rechner nimmt dein Monatsbudget, deine Entnahmerate und deine Sparrate — und sagt, wie groß das Depot sein muss und wann es so weit ist.
Zielsumme berechnen →Von 33.338 € Entnahme bleiben 30.000 € zum Leben
Beide Abzüge hängen nicht an der Entnahme, sondern am realisierten Gewinn darin — und bei einem Aktien-ETF davon nur am steuerpflichtigen Teil nach der Teilfreistellung. Der Krankenkassenbeitrag hat außerdem einen Sockel: Unter 1.318,33 € im Monat wird trotzdem daraus gerechnet, weshalb er bei kleinen Budgets anteilig am schwersten wiegt.
Kurzfassung: Bei 2.500 € Monatsbudget sind 33.338 € im Jahr zu entnehmen; 0 € gehen an die Steuer und 3.338 € an die Krankenkasse.
Bleibt zum Leben Abgeltungsteuer Kranken- und Pflegeversicherung
| Monatsbudget | Bleibt zum Leben | Abgeltungsteuer | Kranken- und Pflegeversicherung | Bruttoentnahme im Jahr |
|---|---|---|---|---|
| 1.500 € im Monat (21.338 € Bruttoentnahme im Jahr) | 18.000 € | 0 € | 3.338 € | 21.338 € |
| 2.000 € im Monat (27.338 € Bruttoentnahme im Jahr) | 24.000 € | 0 € | 3.338 € | 27.338 € |
| 2.500 € im Monat (33.338 € Bruttoentnahme im Jahr) | 30.000 € | 0 € | 3.338 € | 33.338 € |
| 3.000 € im Monat (39.338 € Bruttoentnahme im Jahr) | 36.000 € | 0 € | 3.338 € | 39.338 € |
| 4.000 € im Monat (51.989 € Bruttoentnahme im Jahr) | 48.000 € | 150 € | 3.839 € | 51.989 € |
⚠ Der Gewinnanteil von 50 % ist eine Annahme, keine Messung — er hängt davon ab, wie lange die verkauften Anteile gehalten wurden, und steigt über die Jahre. Ohne Kirchensteuer, mit dem ermäßigten Beitragssatz und dem Pflegesatz für Kinderlose gerechnet.
Von 4,0 % auf 3,0 % kostet ein Drittel mehr Kapital
Alle drei für denselben Bruttobedarf von 33.338 € im Jahr. Nur die erste Rate stammt aus den Studien — die beiden anderen sind unsere Anpassung an einen Ruhestand, der deutlich länger dauert als die 30 Jahre, für die die Erfolgsquoten erhoben wurden.
| Entnahmerate | Multiplikator | Geeignet für | Nötiges Kapital | Woher die Rate kommt |
|---|---|---|---|---|
| 4,0 % | 25× | 30 Jahre | 833.451 € | Der Ausgangswert aus den US-Studien — kalibriert auf 30 Jahre, vor Steuern und ohne Krankenversicherung. |
| 3,5 % | 28,6× | 40 Jahre und mehr | 952.515 € | Eigene Anpassung für einen Ausstieg deutlich vor der Regelaltersgrenze. |
| 3,0 % | 33,3× | 45 Jahre und mehr | 1.111.268 € | Eigene Anpassung für den größten Abstand zum Renditereihenfolge-Risiko. |
⚠ Die 4,0 %-Regel wurde an US-Renditereihen über 30 Jahre geprüft, vor Steuern und ohne Krankenversicherungsbeiträge. Eine Erfolgsquote der Vergangenheit ist keine Zusage für die Zukunft. Keine Anlageberatung.
Was ein bestimmtes Monatsbudget an Kapital verlangt
Die dritte Spalte ist der eigentliche Unterschied zur amerikanischen Rechnung: Sie enthält bereits Abgeltungsteuer und Krankenkassenbeitrag. Wer stattdessen den Nettobedarf durch die Entnahmerate teilt, plant mit einem Depot, das rund 11 % zu klein ist.
| Budget im Monat | Netto im Jahr | Brutto zu entnehmen | Kapital bei 4,0 % | Kapital bei 3,5 % | Kapital bei 3,0 % |
|---|---|---|---|---|---|
| 1.500 € | 18.000 € | 21.338 € | 533.451 € | 609.658 € | 711.268 € |
| 2.000 € | 24.000 € | 27.338 € | 683.451 € | 781.087 € | 911.268 € |
| 2.500 € | 30.000 € | 33.338 € | 833.451 € | 952.515 € | 1.111.268 € |
| 3.000 € | 36.000 € | 39.338 € | 983.451 € | 1.123.944 € | 1.311.268 € |
| 4.000 € | 48.000 € | 51.989 € | 1.299.726 € | 1.485.401 € | 1.732.968 € |
⚠ Die Rechnung unterstellt, dass der Lebensunterhalt vollständig aus dem Depot kommt. Wer eine gesetzliche Rente, eine Betriebsrente oder eine abbezahlte Wohnung hat, braucht ab deren Beginn deutlich weniger Kapital — die Tabelle beantwortet nur die Frage nach dem Depot.
Bei 2.500 € im Monat sinkt die Steuer von 2.814 € auf 0 €
Die Bank behält pauschal 25 Prozent ein — das ist eine Obergrenze, kein Endergebnis. Auf Antrag rechnet das Finanzamt stattdessen mit dem regulären Tarif, wenn der günstiger ist. Wer kein Erwerbseinkommen mehr hat, hat den Grundfreibetrag frei, und darunter fällt gar keine Steuer an. Die zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer kommt zurück.
| Budget im Monat | Steuerpflichtiger Ertrag im Jahr | Was die Bank einbehält | Was tatsächlich fällig ist | Rückerstattung |
|---|---|---|---|---|
| 1.500 € | 7.468 € | 1.706 € | 0 € | 1.706 € |
| 2.000 € | 9.568 € | 2.260 € | 0 € | 2.260 € |
| 2.500 € | 11.668 € | 2.814 € | 0 € | 2.814 € |
| 3.000 € | 13.768 € | 3.368 € | 0 € | 3.368 € |
| 4.000 € | 18.196 € | 4.535 € | 150 € | 4.385 € |
⚠ Gerechnet für jemanden ohne weitere Einkünfte und ohne Kirchensteuer. Sobald eine Rente, Miete oder ein Gehalt danebensteht, wandert der Kapitalertrag in eine höhere Tarifzone und der Vorteil schrumpft oder verschwindet — ab einem persönlichen Steuersatz über 25 Prozent ist die Abgeltungsteuer die günstigere Variante. Werbungskosten sind auch bei der Günstigerprüfung ausgeschlossen. Der Antrag steht in der Anlage KAP; das Finanzamt wendet von sich aus die günstigere Variante an, wenn er gestellt ist. Keine Steuerberatung.
Gleicher Durchschnitt, einmal leer im Jahr 28 und einmal 1.856.840 € übrig
Beide Depots starten mit 952.515 €, entnehmen 33.338 € im ersten Jahr und schreiben das mit 2 Prozent Teuerung fort. Sie durchlaufen exakt dieselben dreißig Jahresrenditen — im Mittel 5,25 % — nur in umgekehrter Reihenfolge. Das ist das Renditereihenfolge-Risiko: Wer die schwachen Jahre gleich zu Beginn erwischt, verkauft in der Talsohle Anteile, die für die spätere Erholung fehlen.
Kurzfassung: Mit den schwachen Jahren am Anfang ist das Depot im Jahr 28 aufgezehrt; mit denselben Renditen in umgekehrter Reihenfolge bleiben nach dreißig Jahren 1.856.840 € übrig.
30 Jahre0 €schwache Jahre am Ende: 1.856.840 €
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schwache Jahre am Anfang schwache Jahre am Ende
| Jahr | schwache Jahre am Anfang | schwache Jahre am Ende |
|---|---|---|
| 1 | 735.342 € | 988.116 € |
| 2 | 596.137 € | 1.025.669 € |
| 3 | 505.306 € | 1.065.308 € |
| 4 | 505.172 € | 1.107.174 € |
| 5 | 504.268 € | 1.151.420 € |
| 6 | 502.519 € | 1.198.208 € |
| 7 | 499.848 € | 1.247.713 € |
| 8 | 496.170 € | 1.300.125 € |
| 9 | 491.392 € | 1.355.644 € |
| 10 | 485.417 € | 1.414.487 € |
| 11 | 478.136 € | 1.476.887 € |
| 12 | 469.436 € | 1.543.093 € |
| 13 | 459.192 € | 1.613.373 € |
| 14 | 447.270 € | 1.688.015 € |
| 15 | 433.528 € | 1.767.328 € |
| 16 | 417.808 € | 1.851.644 € |
| 17 | 399.946 € | 1.941.319 € |
| 18 | 379.759 € | 2.036.735 € |
| 19 | 357.055 € | 2.138.304 € |
| 20 | 331.624 € | 2.246.468 € |
| 21 | 303.242 € | 2.361.699 € |
| 22 | 271.666 € | 2.484.507 € |
| 23 | 236.636 € | 2.615.440 € |
| 24 | 197.870 € | 2.755.084 € |
| 25 | 155.067 € | 2.904.072 € |
| 26 | 107.900 € | 3.063.080 € |
| 27 | 56.020 € | 3.232.839 € |
| 28 | 0 € | 2.858.341 € |
| 29 | 0 € | 2.380.254 € |
| 30 | 0 € | 1.856.840 € |
⚠ Eine Illustration des Mechanismus, keine erhobene Renditereihe — die schwachen Jahre sind an den Rückgang der Weltaktienmärkte 2000 bis 2002 angelehnt, aber nicht daraus entnommen. Beide Kurven zeigen denselben Mittelwert; die Aussage liegt allein in der Reihenfolge. Keine Anlageberatung.
Bei 952.515 € im Aktien-ETF verlangt der Januar rund 3.939,22 €
Die Vorabpauschale wird ohne Rückfrage vom Verrechnungskonto abgebucht — auch in einem Jahr, in dem nichts verkauft wurde. Reicht das Guthaben nicht, verkauft die Bank Anteile, und zwar zu einem Zeitpunkt, den sie bestimmt. Für ein Depot in dieser Größenordnung gehört der Betrag deshalb als eigene Reserve in die Planung.
| Schritt | Betrag | Grundlage |
|---|---|---|
| Basisertrag (3,20 % × 70 %) | 21.336,35 € | § 18 Abs. 1 InvStG |
| Nach 30 % Teilfreistellung | 14.935,44 € | § 20 InvStG |
| Abgeltungsteuer mit Soli | 3.939,22 € | § 32d EStG, § 4 SolzG |
⚠ Gerechnet mit dem vollen Basisertrag, also für ein Jahr, in dem der Wertzuwachs ihn nicht deckelt. In einem Verlustjahr fällt die Vorabpauschale ganz aus — verlassen sollte man sich darauf nicht, denn welches Jahr es wird, weiß man erst im Dezember.
Was die amerikanische Regel für Deutschland nicht abbildet
Die Zielsumme, aus der sich ein bestimmtes Monatsbudget dauerhaft entnehmen lässt, und was in Deutschland zwischen Entnahme und verfügbarem Geld steht: der Beitrag zur freiwilligen Krankenversicherung, die Steuer auf den Gewinnanteil und die Vorabpauschale, die jeden Januar Liquidität verlangt.
Als Größenordnung, nicht als Schwelle. Die beiden Abzüge sind sehr verschieden groß, und das ist die eigentliche Einsicht: Der Krankenkassenbeitrag hat einen Sockel und fällt auch ohne Einkommen an, die Steuer dagegen oft gar nicht. Wer kein Erwerbseinkommen mehr hat, hat den Grundfreibetrag frei — die Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG holt die einbehaltene Abgeltungsteuer dann vollständig zurück. Ein halber Prozentpunkt weniger Entnahme erhöht die Zielsumme um rund ein Sechstel; dafür sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kapital vorzeitig aufgezehrt wird.
Die 4-Prozent-Regel stammt aus US-Studien mit 30 Jahren Horizont, US-Renditereihen, vor Steuern und ohne Krankenversicherung. Keine dieser vier Voraussetzungen trifft auf einen Ausstieg mit 45 in Deutschland zu. Die hier zusätzlich ausgewiesenen Raten von 3,5 und 3,0 Prozent sind eine eigene Anpassung an längere Ruhestände und stehen so in keiner der beiden Studien — sie sind eine begründete Vorsichtsmarge, kein Forschungsergebnis. Das größte Risiko bildet keine Rate ab, weil es nicht in der Durchschnittsrendite steckt, sondern in ihrer Reihenfolge; die Grafik dazu zeigt zwei Depots mit identischem Mittelwert und völlig verschiedenem Ausgang. Dagegen hilft keine höhere Zielsumme so gut wie eine flexible Entnahme. Keine Anlageberatung.
Kurz beantwortet
Woher kommen die 4 Prozent?
Aus zwei US-Arbeiten: William Bengen prüfte 1994 an Marktdaten ab 1926, welche inflationsindexierte Entnahme 30 Jahre durchhält; die Trinity-Studie bestätigte das 1998 für Portfolios mit hoher Aktienquote über rollierende 30-Jahres-Fenster. Beide rechnen vor Steuern und ohne Krankenversicherungsbeiträge.
Warum ist die Regel für Deutschland zu optimistisch?
Aus zwei Gründen, die sich addieren. Der Horizont: Wer mit 45 aufhört, plant 40 bis 50 Jahre statt 30. Und die Abgaben: Abgeltungsteuer und Krankenkassenbeitrag müssen aus derselben Entnahme bezahlt werden. Deshalb weisen wir neben 4,0 % auch 3,5 % und 3,0 % aus — das ist unsere Anpassung, kein Studienergebnis.
Muss ich auf die Entnahme wirklich 25 Prozent Steuern zahlen?
Meistens nicht. Die 25 Prozent sind eine Obergrenze: Auf Antrag rechnet das Finanzamt stattdessen mit dem regulären Tarif, wenn der günstiger ist (§ 32d Abs. 6 EStG, Anlage KAP). Wer kein Erwerbseinkommen mehr hat, hat den Grundfreibetrag frei — und weil nur der Gewinnanteil der Entnahme zählt und davon bei einem Aktien-ETF nochmals 30 Prozent freigestellt sind, bleibt der steuerpflichtige Betrag oft darunter. Die Bank behält trotzdem ein; zurück kommt es über die Steuererklärung.
Was kostet die Krankenversicherung ohne Job?
Mindestens rund 278,17 € im Monat, auch bei null Einkommen — und mehr, sobald die realisierten Gewinne über der Mindestbemessungsgrundlage liegen, denn freiwillig Versicherte zahlen auf alle Einkünfte. Wer stattdessen über 603,00 € im Monat arbeitet, ist als Beschäftigter pflichtversichert; dann zählt nur das Entgelt.
Verfällt meine gesetzliche Rente, wenn ich früh aufhöre?
Nein. Eingezahlte Beiträge und die daraus erworbenen Entgeltpunkte bleiben erhalten — die Rente fällt nur niedriger aus, weil weniger Jahre eingezahlt wurden. Für einen abschlagsfreien Bezug braucht es allerdings Wartezeiten von 35 oder 45 Jahren, und die erreicht nicht, wer mit 45 aufhört.
Was ist das Renditereihenfolge-Risiko?
Der Umstand, dass es nicht nur auf die durchschnittliche Rendite ankommt, sondern auch auf ihre Reihenfolge. Wer gleich zu Beginn der Entnahme mehrere schwache Jahre erwischt, verkauft in der Talsohle Anteile, die für die spätere Erholung fehlen. Die Grafik auf dieser Seite zeigt zwei Depots mit exakt denselben dreißig Jahresrenditen, nur anders sortiert: Das eine ist nach 28 Jahren leer, das andere endet mit deutlich mehr, als es begonnen hat. Dagegen hilft keine höhere Zielsumme so gut wie eine flexible Entnahme.
Muss ich die Entnahme jedes Jahr an die Inflation anpassen?
Die Studien unterstellen genau das: eine feste Anfangsentnahme, danach nur noch Inflationsausgleich, unabhängig von der Marktlage. Wer stattdessen in Verlustjahren weniger entnimmt, hält deutlich länger durch — dafür schwankt die Kaufkraft. Das ist der eigentliche Tausch, und er ist keine Rechenfrage, sondern eine Frage, wie flexibel die eigenen Ausgaben wirklich sind.