Rechner · Geld & Finanzen

Rentenabschlag ausgleichen: was der Rückkauf kostet

Jeder Monat vor der Regelaltersgrenze kostet 0,3 Prozent Rente — lebenslang. Ab 50 lässt sich dieser Abschlag durch eine Einzahlung zurückkaufen (§ 187a SGB VI): 9.661,58 € je Entgeltpunkt, bis zu 30.826 € im Jahr als Sonderausgabe absetzbar. Die Zahlung verpflichtet nicht zum frühen Rentenbeginn.

§ 187a SGB VI · ab 50 Jahren · 9.661,58 € je Punkt

Was der Rückkauf kostet und wann er sich rechnet

Zu kaufen sind mehr Entgeltpunkte, als die Minderung ausmacht — auch die neuen Punkte werden bei vorzeitigem Bezug mit dem Zugangsfaktor gekürzt.

Steht in der Renteninformation. Ein Jahr mit Durchschnittsverdienst ergibt genau einen Punkt.

Höchstens 48 Monate — früher als vier Jahre vor der Regelaltersgrenze ist keine Altersrente möglich.

Teilzahlungen sind zulässig — man muss den Abschlag nicht ganz zurückkaufen.

Der Satz auf den letzten verdienten Euro. Seit 2023 sind Altersvorsorgeaufwendungen zu 100 % abziehbar — der Staat trägt also diesen Anteil der Einzahlung mit.

Einzahlung an die Rentenversicherung
73.139€ Einzahlung

Um 14,4 % Abschlag zu 100 % auszugleichen, sind 73.139 € an die Rentenversicherung zu zahlen — nach Steuererstattung 42.421 €. Die Rente steigt dadurch um 275,53 € im Monat.

Die Rechnung bildet die Regel ab, nicht deinen Einzelfall — Freibeträge und Sonderfälle können sie verschieben. Maßgeblich ist die Abrechnung deines Anbieters. Dieser Rechner ist keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Aufschlüsselung des Ergebnisses
Rente ohne Abschlag1.913,40 €
Abschlag 48 Monate × 0,3 %− 275,53 €
Rente mit Abschlag1.637,87 €
Zu kaufende Entgeltpunkte7,57
Kosten je Entgeltpunkt9.661,58 €
Einzahlung73.139 €
Steuerersparnis bei 42 % Grenzsteuersatz− 30.718 €
Eigener Aufwand42.421 €
Rente nach Ausgleich1.913,40 €
Eingespielt nach12 Jahre und 10 Monate

Die Einzahlung übersteigt den Höchstbetrag für Altersvorsorgeaufwendungen von 30.826 € im Jahr. Auf mehrere Jahre verteilt wirkt jeder Euro steuerlich — in einem Jahr gezahlt, wirkt der Rest nicht.

Der verbindliche Betrag steht in der besonderen Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung (§ 109 Abs. 5 SGB VI) — dieser Rechner ersetzt sie nicht. Die Kosten je Entgeltpunkt steigen jedes Jahr mit dem Durchschnittsentgelt; wer über mehrere Jahre einzahlt, zahlt später mehr je Punkt. Der Höchstbetrag von 30.826 € wird zusätzlich von den laufenden Pflichtbeiträgen aufgezehrt, Arbeitgeberanteil eingerechnet — der wirklich freie Spielraum ist meist deutlich kleiner. Die Amortisation ist nominal gerechnet, ohne künftige Rentenanpassungen und ohne die Steuer auf die Rente.

Beispiele · gerechnet

Was der Rückkauf je Vorlaufzeit kostet

Bei 45 Entgeltpunkten, vollem Ausgleich und 42 % Grenzsteuersatz.

Was der Rückkauf je Vorlaufzeit kostet
Monate vor der RegelaltersgrenzeEinzahlung
1 Jahr16.236 € Einzahlung
2 Jahre33.732 € Einzahlung
3 Jahre52.640 € Einzahlung
4 Jahre73.139 € Einzahlung
Steuerprogression · § 32a EStG

Mehr brutto heißt immer mehr netto

Der Rechner verlangt oben deinen Grenzsteuersatz: Ein Sonderausgabenabzug spart genau diesen Satz und nicht den Durchschnittssatz — bei hohem Einkommen übernimmt der Staat also einen größeren Teil der Einzahlung.

Der Steuersatz steigt mit dem Einkommen, aber er wird nie auf alles angewendet: Das Einkommen wird in Scheiben zerlegt, und jede Scheibe hat ihren eigenen Satz. Die ersten 12.348 € bleiben steuerfrei (Grundfreibetrag), auf den Euro darüber beginnt der Tarif bei 14 %, wächst bis 69.879 € auf 42 % und erreicht ab 277.826 € die 45 %. Wer eine dieser Grenzen überschreitet, zahlt den höheren Satz nur auf den Teil darüber; die Scheiben darunter bleiben besteuert wie vorher. Es gibt deshalb keine Einkommensstufe, in die man „rutscht“, und keinen Betrag, ab dem sich Mehrverdienst nicht mehr lohnt. Die Lohnsteuerklassen I bis VI sind etwas anderes: Sie hängen am Familienstand und an der Zahl der Arbeitsverhältnisse, nicht an der Höhe des Verdienstes.

Die Probe aufs Exempel: dieselbe Erhöhung um 3.000 € im Jahr — 250 € im Monat — an fünf verschiedenen Einkommen. Die Zeile mit 69.000 € ist die interessante: Sie überschreitet mit der Erhöhung die 42-%-Grenze von 69.879 € und behält trotzdem 1.741 €.

Erhöhung um 3.000 € im Jahr: was der Tarif davon nimmt und was bleibt
Zu versteuerndes EinkommenSteuer bisherSteuer auf die ErhöhungBleibt von der Erhöhung
15.000 €435 €648 €2.352 €
30.000 €4.217 €861 €2.139 €
45.000 €8.835 €1.017 €1.983 €
69.000 €17.845 €1.259 €1.741 €
120.000 €39.264 €1.260 €1.740 €

Die Spalte „Bleibt von der Erhöhung“ ist in keiner Zeile negativ, und sie kann es auch nicht sein: Der höchste Satz, den § 32a EStG auf einen zusätzlichen Euro legt, ist 45 %. Selbst im ungünstigsten Fall dieser Tabelle bleiben von 3.000 € noch 1.740 € übrig. Sozialabgaben sind hier nicht enthalten — sie ändern an der Richtung nichts, weil sie ein fester Prozentsatz sind und auf Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen gar nicht mehr anfallen.

Kurzfassung: Die obere Kurve ist der Satz auf den nächsten Euro, die untere der Satz auf das gesamte Einkommen — sie liegt immer darunter. Bei 45.000 € zu versteuerndem Einkommen stehen 34 % gegen 20 %.

120.000 € 42 % Durchschnittssteuersatz (alles zusammen): 33 %

Tippen oder Pfeiltasten: jeden einzelnen Wert ablesen.

Grenzsteuersatz (nächster Euro) Durchschnittssteuersatz (alles zusammen)

Grenzsteuersatz und Durchschnittssteuersatz nach zu versteuerndem Einkommen, Grundtarif 2026Die obere Kurve ist der Satz auf den nächsten Euro, die untere der Satz auf das gesamte Einkommen — sie liegt immer darunter. Bei 45.000 € zu versteuerndem Einkommen stehen 34 % gegen 20 %.0 %10 %20 %30 %40 %50 %030.00060.00090.000120.000Zu versteuerndes Einkommen (€)ab hier 42 %

Beide Kurven zusammen erklären das Missverständnis: Wer „42 % Spitzensteuersatz“ hört, denkt an die obere Kurve und rechnet mit der unteren. Die obere gilt aber immer nur für den nächsten Euro; was tatsächlich vom gesamten Einkommen abgeht, steht unten und liegt deutlich niedriger — bei 45.000 € sind es 20 %. Beide Sätze für dein eigenes Einkommen zeigt der Einkommensteuer-Rechner.

Wo der Sprung wirklich lauert. Im Steuertarif nirgends — wohl aber dort, wo eine Leistung an eine Einkommensgrenze gebunden ist. Bürgergeld, Wohngeld und Kinderzuschlag werden mit steigendem Verdienst angerechnet oder fallen an einer Kante ganz weg; in diesem Bereich kann von hundert Euro mehr tatsächlich fast nichts ankommen. Das ist der reale Kern, aus dem der Irrtum über die Steuerprogression entstanden ist — nur betrifft er einen anderen Teil des Systems. Diesen Bereich rechnet Lohnt sich Arbeit? durch.

Gerechnet ist der Grundtarif auf das zu versteuernde Einkommen — nicht auf den Bruttolohn. Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und Sozialabgaben sind nicht enthalten; sie senken den Betrag, der von einer Erhöhung bleibt, kehren sein Vorzeichen aber nicht um. Keine Steuerberatung.

Wo die Zahl endet

Der Rechner rechnet die Formel, nicht deinen Fall.

Sören Striewski hat diese Rechnung gegen die amtliche Vorgabe geprüft.Betreibt Klarbelegt allein · 205 Quellen, jede mit Prüftermin · Wie ich arbeite
Zitieren

Sören Striewski: „Rentenabschlag ausgleichen: was der Rückkauf kostet“. Klarbelegt. https://klarbelegt.de/rechner/rentenabschlag-ausgleichen

Der Stand ist der Stand der Daten, nicht der Tag deines Abrufs — deshalb stehen beide da. Wer den Wert selbst übernimmt, zitiert zusätzlich die amtliche Quelle: Sie steht mit Lizenz und Datum unter jeder Tabelle und jeder Grafik dieser Seite.

Zahlen einordnen

Eine Division, die in Rechenbeispielen oft fehlt

Was die Zahl zeigt

Den Betrag, mit dem sich ein Rentenabschlag ganz oder teilweise zurückkaufen lässt — brutto, nach Steuererstattung und mit der Zeit, bis die Mehrrente ihn wieder eingespielt hat.

Wie du sie liest

Zu kaufen sind mehr Entgeltpunkte, als die Minderung ausmacht. Der Grund: Auch die neu gekauften Punkte werden bei vorzeitigem Bezug mit dem Zugangsfaktor multipliziert. Deshalb wird der Aufwand je geminderten Punkt durch den Zugangsfaktor geteilt. Wer diese Division weglässt, rechnet zu billig; wer sie zweimal anwendet, landet rund ein Fünftel zu hoch. Beide Fassungen kursieren in Rechenbeispielen.

Wo die Grenze liegt

Die Amortisation ist nominal und ohne Steuern gerechnet. Beides verschiebt das Bild in dieselbe Richtung: Rentenanpassungen erhöhen die Mehrrente Jahr für Jahr, die Steuererstattung senkt den Einsatz sofort — real ist die Einzahlung also früher eingespielt als die Zahl unten suggeriert. Dagegen steht, dass die Rente selbst zu einem großen Teil steuerpflichtig ist. Und das Risiko bleibt: Wer früh stirbt, hat umsonst gezahlt; abgesichert sind nur Hinterbliebene mit Anspruch. Keine Beratung.

Altersgrenzen und Abschläge je Jahrgang →
Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Ab wann kann ich einzahlen?

Ab dem vollendeten 50. Lebensjahr, und nur, wenn die Wartezeit von 35 Jahren absehbar erfüllt wird. Die Deutsche Rentenversicherung erteilt dazu eine besondere Rentenauskunft mit dem verbindlichen Betrag.

Muss ich dann wirklich früher in Rente gehen?

Nein. Wer später doch zur Regelaltersgrenze in Rente geht, behält die gekauften Entgeltpunkte — sie erhöhen dann die reguläre Altersrente. Das Geld ist in keinem Fall verloren, und genau das unterscheidet die Ausgleichszahlung von einer Wette auf den Rentenbeginn.

Wie viel trägt das Finanzamt mit?

Den Anteil deines Grenzsteuersatzes. Altersvorsorgeaufwendungen sind seit 2023 zu 100 % als Sonderausgaben abziehbar — bei 42 % Grenzsteuersatz übernimmt der Staat also 42 Cent je eingezahltem Euro. Der Höchstbetrag liegt 2026 bei 30.826 € für Ledige und 61.652 € bei Zusammenveranlagung.

Warum lohnt es sich, über mehrere Jahre einzuzahlen?

Weil der Höchstbetrag je Kalenderjahr gilt und von den laufenden Pflichtbeiträgen einschließlich Arbeitgeberanteil bereits weitgehend ausgeschöpft wird. Wer die ganze Summe in einem Jahr zahlt, bekommt für den überschießenden Teil keine Steuerwirkung. Gestaffelt ab 50 wirkt jeder Euro — dem steht entgegen, dass der Preis je Entgeltpunkt jedes Jahr steigt.

Kann ich stattdessen einfach mehr sparen?

Das ist die eigentliche Frage. Die Ausgleichszahlung bringt eine lebenslange, jährlich angepasste Zahlung mit staatlicher Steuerförderung, aber ohne Kapital, das man vererben oder anders verwenden könnte. Ein Depot bringt Flexibilität und Vererbbarkeit, aber keine Absicherung gegen ein langes Leben. Der Rechner beantwortet nur die Kostenfrage.

Das fragen sich viele als Nächstes

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