Rechner · Alltag
Welcher Pflegegrad kommt heraus?
Der Pflegegrad entsteht aus sechs Modulen, die sehr ungleich zählen. Die Selbstversorgung — Waschen, Ankleiden, Essen, Toilette — wiegt allein 40 % und damit so viel wie die drei kleinsten Module zusammen. Die Mobilität, an die die meisten zuerst denken, bringt nur 10 %. Und eine Besonderheit entscheidet häufig den Fall: Die Module 2 und 3 — kognitive Fähigkeiten und Verhaltensweisen — werden NICHT addiert, es zählt allein der höhere der beiden Werte (Anlage 2 zu § 15 SGB XI). Ab 12,5 Punkten gibt es Pflegegrad 1, ab 27 Grad 2, ab 47,5 Grad 3, ab 70 Grad 4 und ab 90 Grad 5.
Was jedes Modul beiträgt
Die Aufschlüsselung ist der Punkt dieses Rechners: Sie zeigt vor dem Gutachten, welches Modul das Ergebnis trägt — und welches trotz schlechter Bewertung kaum etwas ändert.
Wie selbständig gelingt das Aufstehen, Umsetzen, Fortbewegen in der Wohnung und Treppensteigen?
Wie gut gelingen Orientierung, Erinnern, Entscheiden und Verstehen im Gespräch?
Wie häufig treten nächtliche Unruhe, Ängste, Aggression oder Abwehr der Pflege auf?
Wie selbständig gelingen Waschen, Ankleiden, Essen, Trinken und der Gang zur Toilette?
Wie viel Hilfe braucht es bei Medikamenten, Verbänden, Arztbesuchen und Therapien?
Wie selbständig gelingen Tagesplanung, Beschäftigung und der Kontakt zu anderen?
35 von 100 Punkten ergeben Pflegegrad 2. Bis Pflegegrad 3 fehlen 12,5 Punkte.
Die Rechnung bildet die Regel ab, nicht deinen Einzelfall — Freibeträge und Sonderfälle können sie verschieben. Maßgeblich ist die Entscheidung der zuständigen Stelle. Dieser Rechner ist keine Rechtsberatung.
| 1. Mobilität (10 %) — überwiegend selbständig | 2,5 |
|---|---|
| 2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 %) — überwiegend selbständig | 3,75 |
| 3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 %) — selbständig | 0 — zählt nicht |
| 4. Selbstversorgung (40 %) — teilweise selbständig | 20 |
| 5. Umgang mit Krankheit und Therapie (20 %) — überwiegend selbständig | 5 |
| 6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 %) — überwiegend selbständig | 3,75 |
| Gesamtpunkte | 35 |
| Pflegegrad | 2 |
Die Module 2 und 3 werden nicht addiert — es zählt allein der höhere der beiden Werte (Anlage 2 zu § 15 SGB XI). Wer beide zusammenzählt, kommt bis zu 15 Punkte und damit einen ganzen Pflegegrad zu hoch heraus.
Das ist eine Selbsteinschätzung und kein Gutachten. Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst bewertet innerhalb jedes Moduls Dutzende Einzelkriterien mit Rohpunkten und übersetzt erst deren Summe in die Stufen, die dieser Rechner abfragt — die Einordnung einer einzelnen Tätigkeit fällt dabei oft anders aus als in der eigenen Wahrnehmung. Nicht abgebildet sind die Sonderregeln für Kinder unter 18 Monaten, die abweichende Begutachtung von Kindern bis 18 Jahren und die Härtefallregelung, die auch unterhalb von 90 Punkten zu Pflegegrad 5 führen kann. Der Pflegegrad wird von der Pflegekasse auf Grundlage des Gutachtens festgestellt.
Was ein Modul allein bewirkt
Alle übrigen Module bleiben auf „selbständig“. Die Selbstversorgung allein trägt bei schwerster Beeinträchtigung 40 Punkte und reicht damit über die Schwelle; die Mobilität käme im selben Fall auf 10 Punkte und damit auf keinen Grad. Genau diesen Unterschied macht die Gewichtung.
| Selbstversorgung | Voraussichtlicher Pflegegrad |
|---|---|
| selbständig | 1 Pflegegrad bei 15 Punkten |
| überwiegend selbständig | 1 Pflegegrad bei 25 Punkten |
| teilweise selbständig | 2 Pflegegrad bei 35 Punkten |
| überwiegend unselbständig | 2 Pflegegrad bei 45 Punkten |
| unselbständig | 3 Pflegegrad bei 55 Punkten |
Wo die Zahl endet
Der Rechner rechnet die Formel, nicht deinen Fall.
Zitieren
Sören Striewski: „Welcher Pflegegrad kommt heraus?“. Klarbelegt. https://klarbelegt.de/rechner/pflegegrad-punkte
Der Stand ist der Stand der Daten, nicht der Tag deines Abrufs — deshalb stehen beide da. Wer den Wert selbst übernimmt, zitiert zusätzlich die amtliche Quelle: Sie steht mit Lizenz und Datum unter jeder Tabelle und jeder Grafik dieser Seite.
Warum die Mobilität so wenig zählt und die Selbstversorgung so viel
Die gewichteten Punkte je Modul und den Pflegegrad, der sich daraus ergibt. Bei durchgängig erheblicher Beeinträchtigung — allen sechs Modulen auf Stufe 3 von 5 — kommen 50,0 Punkte zusammen und damit Pflegegrad 3.
Die Gewichtung ist keine Formsache, sondern die eigentliche Aussage. Ein Mensch, der sich nicht mehr allein waschen und anziehen kann, erreicht über die Selbstversorgung allein 40 Punkte und liegt damit über der Schwelle zu Pflegegrad 2. Wer dagegen nur in der Mobilität schwerst beeinträchtigt ist — etwa im Rollstuhl sitzt, sich aber selbst versorgen kann —, erreicht 10 Punkte und damit keinen Pflegegrad. Das überrascht viele Antragsteller und ist der häufigste Grund für eine als zu niedrig empfundene Einstufung. Die zweite Eigenheit: Die Module 2 und 3 teilen sich ihre 15 % — bei einer Demenz mit Verhaltensauffälligkeiten zählt nur der höhere der beiden Werte, nicht die Summe.
Dieser Rechner ersetzt keine Begutachtung und kann sie auch nicht vorwegnehmen. Der Medizinische Dienst bewertet Einzelkriterien, die sich in der Selbsteinschätzung schwer treffen lassen — „überwiegend selbständig“ meint in der Systematik etwas anderes als im Alltagsgebrauch. Nicht abgebildet sind die abweichende Begutachtung von Kindern, die Härtefallregelung und die Möglichkeit, gegen den Bescheid Widerspruch einzulegen. Was zählt, ist das Gutachten und der Bescheid der Pflegekasse.
Kurz beantwortet
Wie viele Punkte brauche ich für Pflegegrad 2?
27 von 100 gewichteten Punkten. Das klingt nach wenig, ist aber eine echte Hürde: Erreichen lässt es sich über die Selbstversorgung schon bei erheblicher Beeinträchtigung (20 Punkte allein), über die Mobilität dagegen selbst bei schwerster Beeinträchtigung nicht (10 Punkte). Pflegegrad 1 beginnt bereits bei 12,5 Punkten.
Werden die Module 2 und 3 zusammengezählt?
Nein — und das ist die am häufigsten falsch wiedergegebene Regel des Begutachtungsinstruments. Anlage 2 zu § 15 SGB XI bestimmt, dass von den kognitiven Fähigkeiten (Modul 2) und den Verhaltensweisen (Modul 3) nur der HÖHERE der beiden gewichteten Werte in die Gesamtpunktzahl eingeht. Beide zusammen können also höchstens 15 Punkte beitragen, nicht 30. Wer sie addiert, kommt einen ganzen Pflegegrad zu hoch heraus.
Warum bekomme ich trotz Rollstuhl keinen hohen Pflegegrad?
Weil die Mobilität nur mit 10 % in die Bewertung eingeht. Das Begutachtungsinstrument fragt seit 2017 nicht mehr nach dem Zeitaufwand für die Pflege, sondern nach der SELBSTÄNDIGKEIT — und wer sich im Rollstuhl selbst waschen, ankleiden und versorgen kann, gilt in den schwer gewichteten Modulen als selbständig. Umgekehrt kann eine Demenz ohne jede körperliche Einschränkung zu einem hohen Grad führen.
Was bedeutet „überwiegend selbständig“ genau?
In der Systematik des Begutachtungsinstruments: Die Person kann die Tätigkeit größtenteils allein ausführen und braucht nur in Teilschritten Unterstützung — etwa Zurechtlegen, Anreichen oder Aufforderung. „Teilweise selbständig“ heißt, dass sie sich in erheblichem Umfang beteiligt, die Hilfe aber überwiegt. Diese Abstufungen sind enger definiert als im Alltagsgebrauch, weshalb die Selbsteinschätzung häufig milder ausfällt als das Gutachten.
Kann ich gegen den Pflegegrad Widerspruch einlegen?
Ja, innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids, und es lohnt sich oft. Sinnvoll ist, zuvor das Gutachten anzufordern — die Pflegekasse muss es auf Verlangen herausgeben — und die Einzelbewertungen mit dem eigenen Pflegetagebuch abzugleichen. Häufigster Ansatzpunkt sind Module, in denen die Begutachtung einen guten Tag erfasst hat: Maßgeblich ist der Zustand über einen längeren Zeitraum, nicht die Momentaufnahme des Besuchs.