Rechner · Geld & Finanzen

Fondspolice oder ETF-Depot

Der Versicherungsmantel spart Steuern und kostet Gebühren; welche Seite gewinnt, entscheidet sich an zwei Zahlen. Erfüllt der Vertrag die 62/12-Regel — mindestens 12 Jahre Laufzeit und Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr —, ist nur die Hälfte des Ertrags nach 15 % Teilfreistellung steuerpflichtig. Dafür laufen die Mantelkosten jedes Jahr mit, und der Rest wird mit dem persönlichen Satz besteuert statt mit der Abgeltungsteuer. Die Police gewinnt deshalb nur bei sehr niedrigen Mantelkosten — und umso eher, je niedriger der persönliche Steuersatz im Alter ausfällt.

§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG · § 18 InvStG · § 20 InvStG

Zwei Wege, dieselbe Einzahlung, zwei Nettobeträge

Das Depot zahlt jedes Jahr Vorabpauschale und am Ende Abgeltungsteuer. Die Police zahlt während der Laufzeit nichts, dafür laufend Gebühren — und am Ende Einkommensteuer auf einen kleineren Teil des Gewinns.

Der ETF kostet in der Police dasselbe wie im Depot — nur der Mantel kommt hinzu.

Nettotarife liegen bei 0,2 bis 0,35 Prozent, Provisionstarife bei 0,8 bis 2,0 Prozent.

Tarifart

Der Provisionstarif rechnet zusätzlich 2,5 % Abschlusskosten auf die Beitragssumme, verteilt über die ersten fünf Jahre.

Grenzsteuersatz im Rentenalter, Solidaritätszuschlag eingerechnet.

Abstand nach Steuern
14.404€ Vorsprung für das Depot

Nach 35 Jahren bleiben im Depot 246.025 € und in der Police 231.621 €. Die niedrigeren laufenden Kosten überwiegen den Steuervorteil — um 14.404 €.

Aufschlüsselung des Ergebnisses
Eingezahlt insgesamt84.000 €
Depot: Wert vor dem Verkauf266.643 €
Depot: Vorabpauschale über die Laufzeit− 6.185 €
Depot: Abgeltungsteuer beim Verkauf− 20.618 €
Depot: bleibt246.025 €
Police: Wert vor der Auszahlung253.193 €
Police: Kosten des Mantels− 10.289 €
Police: Steuer auf 42,5 % des Ertrags− 21.572 €
Police: bleibt231.621 €
Vorsprung des Depots14.404 €

⚠ Ein Modell, keine Prognose. Der Basiszins der Vorabpauschale wird jedes Jahr neu festgesetzt und hier über die gesamte Laufzeit konstant gehalten; er kann null oder negativ werden, dann entfällt der Posten. Ebenso konstant gehalten sind Rendite, Steuersätze und Teilfreistellungen — bei 35 Jahren Laufzeit ist das eine sehr starke Annahme, zumal beide Teilfreistellungen politisch gesetzt sind und geändert werden können. Nicht abgebildet: Kirchensteuer, der Sparer-Pauschbetrag außerhalb dieses Depots, Umschichtungen und das Kontrahentenrisiko gegenüber dem Versicherer — eine Police ist kein Sondervermögen. Keine Anlage- oder Steuerberatung.

Beispiele · gerechnet

Wie der Vergleich auf die Mantelkosten reagiert

Alles andere bleibt gleich. Der Steuervorteil der Police ist eine feste Größe — die Mantelkosten sind es nicht, und sie entscheiden den Vergleich.

Wie der Vergleich auf die Mantelkosten reagiert
Mantelkosten der PoliceAbstand nach Steuern
0,10 % im Jahr4.059 € Vorsprung für das Depot
0,30 % im Jahr14.404 € Vorsprung für das Depot
0,60 % im Jahr28.931 € Vorsprung für das Depot
1,20 % im Jahr54.764 € Vorsprung für das Depot
Zahlen einordnen

Ein Steuervorteil, der jedes Jahr Miete kostet

Was die Zahl zeigt

Was nach Steuern auf dem Konto liegt — einmal aus einem freien ETF-Depot und einmal aus einer fondsgebundenen Rentenversicherung mit Kapitalauszahlung, bei identischer Einzahlung und identischer Bruttorendite.

Wie du sie liest

Die Police hat zwei echte Vorteile: In der Ansparphase fällt keine Vorabpauschale an, und Umschichtungen lösen keine Steuer aus. Am Ende ist bei erfüllter 62/12-Regel nur 42,5 % des Ertrags steuerpflichtig. Dem stehen zwei Dinge gegenüber. Die Mantelgebühr wirkt wie jede Kostenquote über den Zinseszins — und der Rest des Ertrags wird mit dem persönlichen Satz besteuert statt mit der Abgeltungsteuer, was den Vorteil bei hohen Alterseinkünften wieder auffrisst. In der Voreinstellung dieses Rechners liegt das Depot vorn, und die Führung wechselt erst, wenn der Mantel praktisch nichts kostet. Genau deshalb ist die Mantelgebühr das Feld, an dem man drehen sollte — nicht die Renditeannahme.

Wo die Grenze liegt

Die Rechnung kennt nur Zahlen, nicht die Bindung. Eine Police ist auf Jahrzehnte angelegt; wer vorzeitig kündigt, verliert den Steuervorteil und trifft je nach Tarif auf Stornoabschläge. Ein Depot ist jederzeit verfügbar, und diese Verfügbarkeit hat einen Wert, der in keiner der beiden Spalten steht. Wer für den Ruhestand spart, sollte zuerst die geförderten Wege ausschöpfen — sie schlagen beide Varianten hier.

Altersvorsorge nach dem Riester-Aus →
Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Was genau ist die 62/12-Regel?

§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG: Wird eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung als Einmalbetrag ausgezahlt, ist nur die Hälfte des Ertrags steuerpflichtig — vorausgesetzt, der Vertrag lief mindestens 12 Jahre und die Auszahlung erfolgt nach Vollendung des 62. Lebensjahres. Fehlt eine der beiden Bedingungen, ist der volle Ertrag zu versteuern, und der Mantel verliert seinen einzigen steuerlichen Vorteil.

Wo ist der Unterschied zwischen Netto- und Bruttopolice?

Die Bruttopolice enthält die Vermittlungsprovision: Abschlusskosten von meist 2,5 bis 4 Prozent der Beitragssumme werden über die ersten fünf Jahre vom Anlagekapital abgezogen. Die Nettopolice verzichtet darauf; die Beratung wird separat als Honorar bezahlt. Genau dieser Block entscheidet in der Praxis fast immer — eine Bruttopolice holt ihn über den Steuervorteil kaum wieder ein.

Warum steht die Vorabpauschale nur beim Depot?

Weil der Versicherer der Anteilseigner ist, nicht du. Innerhalb des Versicherungsmantels findet keine Besteuerung nach dem Investmentsteuergesetz auf deiner Ebene statt — es gibt für dich keinen Zufluss. Genau das ist der Steuerstundungseffekt: Das Kapital verzinst sich brutto, und abgerechnet wird erst am Ende.

Was ist mit der lebenslangen Rente statt der Kapitalauszahlung?

Dann gilt nicht das Halbeinkünfteverfahren, sondern die Ertragsanteilsbesteuerung: Bei Rentenbeginn mit 67 sind 17 Prozent der Rente steuerpflichtig, der Rest bleibt steuerfrei. Das ist steuerlich oft noch günstiger — hängt aber daran, wie alt man wird, und daran, welchen Rentenfaktor der Versicherer garantiert. Diese Frage rechnet der Rechner bewusst nicht mit: Sie ist keine Steuerfrage, sondern eine Wette auf die eigene Lebenserwartung.

Das fragen sich viele als Nächstes

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